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Programme bis 2016

Im Jahr 2016 hatten wir kein zuvor festgelegtes Jahresprogramm. Unsere Veranstaltungen wurden von Fall zu Fall einzeln bekannt gegeben. Siehe:  Unsere letzten Veranstaltungen auf der Startseite

 

Das folgende Programm war unser Jahresprogramm vom Januar 2015. Für die einzelnen Veranstaltungen hatten sich im Verlauf des Jahres Veränderungen ergeben. Der jeweils aktuelle Stand der einzelnen Veranstaltungen war deshalb auf der Startseite unter der Rubrik „Unsere nächsten Veranstaltungen“ zu entnehmen.

Emanzipation braucht Geschichte!

Themenschwerpunkt 2015:

1945 – 1989

Epoche zwischen Befreiung und Unterdrückung

Im erinnerungspolitischen Zentrum des Jahres 2015 stehen der 70. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus und der 25. Jahrestag des „Beitritts der DDR zur BRD“. Diese Jahresdaten markieren epochale Zäsuren, deren Bedeutung bis heute nicht nur in der deutschen und internationalen Arena als Referenzpunkt zur Legitimierung der aktuellen Politik dienen, sondern auch in der Linken zutiefst umstritten sind. Während in aktuellen rechtspopulistischen Bewegungen wie PEGIDA nicht nur erneut ein „Ende der deutschen Schulddebatte“ gefordert wird, ranken in den Augen des russischen Präsidenten die aktuellen Konflikte von NATO und Russland in der Ukraine um die Zerstörung des Abkommens und der Ordnung von Jalta. Umgekehrt gilt der herrschenden Klasse Deutschlands die „Einheit in Freiheit“ als Legitimationsbasis heutiger, zumeist als alternativlos behaupteter Politik.

Doch auch innerhalb der Linken haben Auseinandersetzungen um die Art und Weise, wie an den 8. Mai 1945 in einer linken Erinnerungskultur gedacht werden soll, eine lange Tradition. Bis heute haben sie nicht nachgelassen, weil der Befreiung vom Hitlerfaschismus nicht die Verwirklichung der Träume des antifaschistischen Befreiungskampfes von einer freien Gesellschaft und der Visionen von Freiheit und Sozialismus folgten. Vielmehr wurde der 8. Mai 1945 zum Auftakt einer Ordnung der imperialistischen Aufteilung Europas zwischen den Supermächten, zur Ordnung von Jalta. In Westeuropa wurden die antifaschistischen Partisanen entmachtet und die alten herrschenden Klassen von den westlichen Siegermächten wieder an die Macht geschoben, in Westdeutschland kam das blutbefleckte Nazi-Establishment nur wenig gesäubert wieder an alte Machtposten. Osteuropa und Ostdeutschland gerieten mit dem 8. Mai 1945 hingegen unter den Stiefel des Stalinismus, der eine neue brutale Diktatur errichtete. Im Namen des Antifaschismus verfolgte er sogleich Antifaschist/innen, im Namen des Sozialismus Sozialist/innen, wenn sie ihm als Bedrohung erschienen. Nur nach und nach milderte sich das Ausmaß des neuen Terrors.

Die Jahrzehnte zwischen 1945 und 1989/90 waren geprägt von der imperialistischen Teilung Europas, die in Jalta von den Siegermächten beschlossen worden war. Ihre Auflösung, die vor 25 Jahren mit der Überwindung des sowjetischen Imperiums begann, wurde jedoch zum Auftakt auch des Untergangs der zunächst siegreichen Pax americana. Als neue Weltunordnung erscheint sie täglich spürbarer.

Der Zusammenhang von antifaschistischer Befreiung 1945, imperialistischer Ordnung von Jalta und der Art und Weise der Beseitigung dieser Ordnung in den Jahren 1989/1990 soll Schwerpunkt unseres diesjährigen Programms sein. Wir wollen uns diesen historischen Umbrüchen zuwenden und die Mythen der herrschenden wie der linken Geschichtsschreibung aufdecken. „These History is unwritten.“

Wir fragen nach den Erinnerungskulturen an den 8. Mai 1945 in der SU und im heutigen Russland. Wir werden im Rahmen eines Workshops den Stellenwert von 1989 für die radikale Linke diskutieren sowie den Tagungsband „History is unwritten“ mit den Herausgeber/innen zusammen vorstellen. Wir fragen aber auch nach den Potenzialen der Veränderung, wollen wissen, ob 1965 in der DDR ein (Ost)Berliner Frühling verhindert wurde und stellen anlässlich der deutschen Erstveröffentlichung des Band III von Charles Bettelheim „Klassenkämpfe in der Sowjetunion“ vor. Von den aktuellen sozialen Bewegungen interessieren uns in diesem Jahr vor allem die Lage in Griechenland nach der Wahl, die Auseinandersetzungen um das sogenannte Tarifeinheitsgesetz, die Bewegungen in Portugal, die prekären Bedingungen, unter denen französische Kunstschaffende leben und welche Widerstandsformen sie entwickelt haben.

Bernd Gehrke Willi Hajek Renate Hürtgen

Berlin, Februar 2015

13. Februar, 19 Uhr, Familiengarten, Oranienstraße 34, 10999 Berlin (U-Bhf. Kottbusser Tor)

Widerstand und internationale Solidarität nach den Wahlen in Griechenland

Der kräftige Linksruck in Griechenland ist vor allem auch den zahlreichen Initiativen der Selbsthilfe und den Aktivitäten der Basisgewerkschaften zu verdanken. Mit der Bildung der neuen Regierung werden die vielfältigen Initiativen der sozialen Selbst- und Nachbarschaftshilfe und des politischen Widerstandes nicht überflüssig. Ganz im Gegenteil – ihre politische und außerparlamentarische Mobilisierung entscheidet mit darüber, ob SYRIZA dem Druck seiner äußeren und inneren Gegner standhalten kann. Inwieweit es gelingt, den Auseinandersetzungen um die Austeritätspolitik auf griechischer und europäischer Ebene eine neue Dynamik zu verleihen, ist derzeit offen. Welche Möglichkeiten scheinen real?

*Die gegenwärtige Situation in Griechenland als Folge der Politik der Troika, die Vorstellungen von Syriza und die neue Situation nach den Wahlen *Werden Syriza in Griechenland und Podemos in Spanien zusammen zu einem neuen linken Hoffnungsträger im europäischen Widerstand gegen die Austeritätspolitik? *Hat die griechische Widerstandsbewegung reelle Chancen, neue politische und gesellschaftliche Aktions- und Organisationsformen zu entwickeln?

Es diskutieren: Evridike Bersi, Journalistin aus Athen und Gregor Kritidis, Historiker und Autor des Buches „Griechenland – auf dem Weg in den Maßnahmestaat? Autoritäre Krisenpolitik und demokratischer Widerstand“

Moderation: Kalle Kunkel (Teilnehmer der Solidaritäts-Reisegruppe) und Willi Hajek (AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost West)

Gemeinsame Veranstaltung von Griechenlandsolidarität Berlin und AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost West

 

  1. März, 19 Uhr, Robert-Havemann-Saal, Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin

 Hände weg vom Streikrecht!

Am 21./22. Mai 2015 soll das höchst umstrittene »Tarifeinheitsgesetz« in 2. und 3. Lesung im Bundestag beraten und verabschiedet werden. Kommt es so weit, wird ein weiteres Grundrecht – wie bei der weitgehenden Aushebelung des Asylrechtes Anfang der neunziger Jahre – massiv eingeschränkt. Die EU-weiten Angriffe auf das Streikrecht sind offizielles Ziel der »EU-Agenda 2020«. Seit einigen Jahren wird dieses Ansinnen, entsprechend den jeweiligen Bedingungen in den einzelnen EU Staaten, in unterschiedlichem Tempo umgesetzt. Der erste Schritt zur Einengung des Streikrechtes in Deutschland nennt sich »Tarifeinheitsgesetz«. Entgegen allen Beteuerungen aus den Reihen der Großen Koalition und des DGB wird mit diesem Gesetz das Streikrecht massiv eingeschränkt werden.

Aber es gibt Widerstand!

Mit dieser Veranstaltung wollen wir zusammen mit dem Aktionsbündnis »Hände weg vom Streikrecht – für volle gewerkschaftliche Aktionsfreiheit! für die bundesweite Demonstration am 18. April in Frankfurt vor dem Hauptbahnhof um 13 Uhr mobilisieren.

Gemeinsame Veranstaltung: AK Geschichte sozialer Bewegungen ost west, Komitee „Hände weg vom Streikrecht“, FAU-Berlin, Kolleg_innen von Ver.di, GEW und NGG, den drei Anti-Tarifeinheitsgewerkschaften im DGB, dazu Kritiker_innen aus den Reihen der IG-Metall und befreundete Arbeitsrechtler_innen aus Berlin.

http://streikrecht-verteidigen.org (Aktionsbündnis) http://tinyurl.com/oqd6qrc. (Prof. Däubler) http://tinyurl.com/kcrjh6h (Juristenaufruf zum sofortigen Stopp des Gesetzes) http://www.labournet.de// www. streikrecht.de

 

 

  1. April, 19 Uhr, Mehringhof, großer Saal, Gneisenaustraße 2a, 10961 Berlin

 Portugal: der Krisenprozess und die aktuelle Situation

Der 25. April ist und bleibt für uns ein historisches Datum, untrennbar verbunden mit der portugiesischen Nelkenrevolution von 1974. Im letzten Jahr erinnerten wir uns mit Filmen und Berichten an dieses Ereignis. Im zweiten Teil dieser Veranstaltungsreihe analysierten wir die gegenwärtige Situation in Portugal, die sozialen Bewegungen und die Perspektiven im Rahmen des europäischen Krisenprozesses. In diesem Jahr wollen wir diese begonnene Diskussion mit den Berichten über die aktuelle Situation, die Entwicklung der alternativen gesellschaftlichen Praktiken, der gewerkschaftlichen und sozialen Initiativen in Portugal fortsetzen. Eingeladen haben wir Antonio Lourca, der als Angestellter und engagierter Betriebsrat beim portugiesischen Fernsehen selbst Akteur in diesem Prozess ist.  Moderation: Willi Hajek (AK Geschichte) und Hauke Benner

 

15. Mai, 19 Uhr, Robert-Havemann-Saal, Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin

Der 8. Mai 1945 (1. Teil) 

Zwischen Befreiung und neuer Weltordnung der Blöcke. Eine Veranstaltung gegen alte und neue Mythen

Am 8. Mai 2015 jährt sich der Sieg der Alliierten über den deutschen Aggressor, über das faschistische Deutschland zum siebzigsten Mal. Ein bestialisches Regime wurde vernichtet und ein Krieg mit 60 Millionen Toten beendet. Mit dem 8. Mai 1945 sind neben der Freude über die Befreiung vom Faschismus und über das Kriegsende unter Befreiten wie Befreienden jedoch zugleich die unterschiedlichsten, auch gegensätzliche, historische Erfahrungen, Sichtweisen und Gefühle verbunden. Denn „der Tag der Befreiung“ wurde zugleich zum Auftakt der Errichtung einer neuen Weltordnung imperialistischer Blöcke – und damit der Teilung Europas unter das Regime von Jalta. Westliche Siegermächte setzten alles daran, alte Einflussgebiete auch mit Bürgerkriegen zu erhalten und versuchten, ihre Kolonialreiche wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Für die Länder, die der sowjetischen Hoheit zu fielen, war es der Auftakt zu einer neuen Diktatur, die mit brutalen Mitteln durchgesetzt wurde. Viele, die für die Befreiung vom Faschismus gekämpft hatten, sahen sich in Ost wie in West bald um ihre Hoffnungen betrogen oder gar selbst wieder neuer Verfolgung ausgesetzt. Faschistische Diktatur und Krieg, Leid, Befreiung, Aufbruch und Durchsetzung einer neuen Ordnung der Supermächte stehen gleichermaßen für den 8. Mai 1945.

Vortrag und Diskussion mit:

Peter Brandt (Historiker): Antikapitalistische Perspektiven 1945 und die verhinderte Neuordnungin Westeuropa und Westdeutschland

Bernd Gehrke (Publizist, AK Geschichte): Sozialistische Hoffnungen 1945 und die stalinistische Neuordnung Ost(mittel)europas

Moderation: Renate Hürtgen (AK Geschichte)

Eine Veranstaltung des AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West, des Bildungswerks Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung und der Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte. Die Veranstaltung wird finanziert aus Mitteln der Berliner Lotto-Stiftung

 

8. Mai 1945 (2. Teil)

  1. Mai, Treffpunkt: 15.30 Uhr vor dem Deutsch-Russischen Museum in Berlin Karlshorst, Zwieseler Straße 4, 10318 Berlin

Zwischen Triumph und Trauma. Der 8. Mai 1945 in der Sowjetunion und in Russland heute. Die Erinnerung an das Ende des zweiten Weltkrieges. *Ausstellungsführung und anschließende Diskussion (2. Teil)*

*In Karlshorst wurde am 8. Mai 1945 mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht der zweite Weltkrieg in Europa beendet. Seit 1998 befinden sich in diesem Gebäude Ausstellungen.*

Das Leid der sowjetischen Menschen im Krieg, in dem Millionen umgekommen waren, war besonders groß. Aber nicht nur der Krieg brachte dieses Leid, das stalinsche Regime hatte bereits zuvor Millionen in Lager oder in die Verbannung geschickt, für die der Tag der Befreiung noch nicht gekommen war. Kriegsgefangene sowjetische Soldaten kamen nach Kriegsende als Gefangene des Stalinregimes in den GULAG. Eine ganze Generation erlebte Jahrzehnte lang vor allem Gewalt und Terror. „Unsere Männer kamen entweder aus dem Krieg oder aus dem Lager“ (S. Alexijewitsch). Es ist nicht verwunderlich, dass der „Große Vaterländische Krieg“ rasch zu einem Mythos wurde. Wir wollen in der Veranstaltung über die offizielle wie die familiäre Erinnerungskultur in der Sowjetunion und im heutigen Russland, informieren und diskutieren. Doch auch der Umgang mit der „Erinnerung an den 8. Mai 1945“ in Deutschland soll zur Sprache kommen.

15. 30 Uhr: Führung durch die Ausstellung.

17.00 Uhr: Diskussion im Seminarraum

Führung und Diskussionsleitung: Sebastian Gerhard

Moderation: Renate Hürtgen (AK Geschichte)

Eine Veranstaltung des AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West, des Bildungswerks Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung und der Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte. Die Veranstaltung wird finanziert aus Mitteln der Berliner Lotto-Stiftung

 

  1. Mai, 19 Uhr, Mehringhof, großer Saal, Gneisenaustraße 2a, 10961 Berlin

Prekäre Kulturschaffende – Intermittantes – in Frankreich zwischen prekärer Lohnarbeit und Erwerbslosigkeit

Eine der wichtigsten sozialen Bewegungen im letzten Jahr in Frankreich war sicherlich die lang andauernde Streik- und Boykottbewegung der prekären Kulturschaffenden. Angetreten unter der Parole „Was wir für uns verteidigen, verteidigen wir für alle“ versuchen sie, ihre Lebens- und Arbeitsweise der ständig unterbrochenen, diskontinuierlichen Lohnarbeit zu verteidigen. Einerseits sind sie prekäre Lohnarbeiter/innen, bei Vorführungen auf Festivals, in Theatern und Opern, auf kleinen und großen kulturellen Events wie zum Beispiel die Festivals im Sommer 2014 in Avignon, Montpellier und anderswo; gleichzeitig haben sie ihre Vorbereitungszeiten, ihre schöpferischen Pausen, die nicht durch einen Lohnarbeitsvertrag abgesichert werden. Die Regelungen der Sozialversicherung garantieren ihnen aber einen solidarischen Ausgleich. Der Ursprung des Gesetzes für die Kulturschaffenden datiert noch aus der Zeit der Volksfront 1936. Mit diesem Vorhaben sollte gerade eine breite Kulturarbeit sichergestellt werden. Die Regierungen, linke wie rechte, zuerst 20O3, und jetzt die Regierung Hollande mit dem Verweis auf die von der EU- Kommission dekretierten Einsparmaßnahmen, haben 2014 ein neues Gesetzespaket durch das Parlament gebracht, das einschneidende Verschlechterungen für den Lebensalltag der Intermittantes nach sich zieht.

Gast: Michel Poitevin (Sud-Culture Marseille) Moderation: Willi Hajek ( AK-Geschichte )

 

  1. 15. Juni, 19 Uhr, Mehringhof, großer Saal, Gneisenaustraße 2a, 10961 Berlin

 „History is unwritten. Linke Geschichtspolitik und kritische Wissenschaft. Ein Lesebuch“.

*Buchvorstellung und Diskussion*

Das Lesebuch, das im März 2015 bei edition assemblage erscheint, ist die umfangreich erweiterte Dokumentation der gleichnamigen Konferenz in Berlin im Dezember 2013. Dort wurde von historisch Forschenden, AutorInnen, KünstlerInnen und politischen Initiativen diskutiert, wie ein emanzipatorischer Umgang mit Geschichte heute aussehen könnte. Um weitere wichtige Wortmeldungen ergänzt, sind nun 25 Beiträge mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Perspektiven versammelt. Das Spektrum reicht von Analysen kritischer Geschichtspolitik und -wissenschaft bis hin zu konkreten Beispielen für Arbeitsfelder und Praxen politischer Initiativen und künstlerischer Interventionen in die herrschende Geschichtsschreibung. Zusammen ergeben die Beiträge einen vielfältigen Eindruck von einer Linken, die sich um die Vergangenheit scheren muss, wenn sie etwas von der Zukunft will. „Letztlich ist es die Frage nach einer neuen linken Perspektive, einer Zukunft jenseits von Kapitalismus und „Realsozialismus“, jenseits bisheriger feststehender Wahrheiten; es geht um Denk- und Handlungsangebote für einen Weg dahin. Alles gehört auf den Prüfstand, namentlich die eigene Geschichte.“

Es diskutieren: Das Kallektiv der Herausgeber/innen Jana König, Till Sträter, Henning Fischer, Uwe Fuhrmann, Elisabeth Steffen und Autor/innen mit dem AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost West.

  1. September, 19 Uhr, Mehringhof, Gneisenaustraße 2a, 10961 Berlin,

Charles Bettelheim: „Die Klassenkämpfe in der Sowjetunion ( 1918 – 1939 )

*Buchvorstellung und Diskussion des erstmals in deutscher Sprache erschienenen 3. Bandes*

Seit einiger Zeit wird wieder verstärkt über eine alternative Gesellschaft jenseits von Kapitalismus und Kommunismus diskutiert. Die Verständigung darüber, was für eine Gesellschaft nach der Oktoberrevolution in Russland entstanden war, gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine solche Debatte. Für Bettelheim war es eine neue, bisher unbekannte Form von bürgerlicher Klassenherrschaft. Die „Diktatur des Proletariats“ hatte die Ausbeutung nicht aufgehoben, es gab weiterhin ein Oben und ein Unten in der angeblichen Gesellschaft der Gleichheit. Gibt uns Bettelheims Kritik an der Sowjetmacht für unsere heutigen Fragen Antworten? Wie schätzen wir seine Position ein? Wo können wir an Bettelheim anknüpfen und was müssen wir neu durchdenken? Solche Fragen, aber auch Bettelheims Leben und Werk wollen wir in der geplanten Veranstaltung aus Anlass des Erscheinens des Buches diskutieren. Dieser dritte Band erscheint das erste Mal auf Deutsch und zeigt auf, wie sehr reale Ereignisse, theoretische Reflexionsprozesse und praktische Lebensentwürfe zusammenwirken.

Jochen Gester (Die Buchmacherei) Willi Hajek (AK Geschichte) Bernd Gehrke (AK Geschichte)

Moderation: Renate Hürtgen (AK Geschichte)

 

  1. und 25. Oktober, Robert-Havemann-Saal, Haus der Demokratie und Menschenrechte,

  2. Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin

 1989/90 und die radikale Linke in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme (Workshop mit dem AK Gegen den Strich)

Die Ereignisse von 1989/90 haben das politische Koordinatensystem fundamental verändert: Mit dem ideellen und materiellen Scheitern des „Realsozialismus“ begann der Siegeszug der westlichen Erzählung von der Alternativlosigkeit kapitalistischer Verhältnisse; der neue deutsche Nationalstaat präsentierte sich fortan als Happy End nach erfolgreicher Überwindung ‚zweier deutscher Diktaturen‘. Rund um den 25. Jahrestages der ‚Wiedervereinigung‘ wird uns diese Geschichtsdeutung in Endlosschleife entgegenschallen.

Angesichts dessen wollen wir danach fragen, was eine radikale Linke dem eigentlich entgegenzusetzen hat. Haben wir überhaupt so etwas wie eine konsensfähige Deutung der Ereignisse von 1989/1990? Wurden deren zweifellos gravierende Auswirkungen auf unsere politische Praxis im vereinten Deutschland bisher ausreichend analysiert und reflektiert? Im Gespräch mit linken Akteur/innen aus DDR und BRD der 1980er/90er Jahre wollen wir danach fragen, aus welchen Erfahrungs- und Erwartungshorizonten sie prägende Entwicklungen und Ereignisse um 1989/90 wahrgenommen, mit gestaltet und verarbeitet haben. Welche politischen Prioritäten haben sich daraus für unterschiedliche Strömungen einer gesamtdeutschen Linken ergeben? Welche innerlinken Konfliktkonstellationen sind entstanden und wie sind sie gelöst worden bzw. in welcher Form bestehen sie heute noch? Ziel des Workshops ist eine erste Sondierung linker Geschichte(n) der letzten 25 Jahre, dem dann weitere themenspezifische Veranstaltungen folgen sollen.

Veranstaltet vom: AK Geschichte gegen den Strich und dem AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost West

 

Dezember, 19 Uhr, Havemannsaal, Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin

 Kahlschlag gegen einen „(Ost)Berliner Frühling“?

Das 11. Plenum des ZK der SED 1965 – Hintergründe und Auswirkungen auf den Geist der Rebellion in der DDR

Vor 50 Jahren, vom 16. bis zum 18. Dezember 1965 tagte das 11. Plenum des ZK der SED in Ostberlin. Nach dem bereits seit September 1965 zum Schlag gegen die „imperialistische Unkultur“ ausgeholt und Beatgruppen verboten worden waren, kam es auf dem 11. Plenum zu einer „Generalabrechnung“ mit der kritischen Intelligenzia und der rebellischen Jugendkultur. Eine Jahresproduktion von DEFA-Filmen, Büchern, Theaterstücken und Beatgruppen wurde verboten, Schriftsteller/innen geächtet und ihre Texte Jahre lang nicht gedruckt. Was waren Ursachen und Hintergründe für dieses Vorgehen? Immerhin konnten zuvor Robert Havemann kritische Vorlesungen an der Humboldt-Universität halten und Wolf Biermann kritische Lieder singen, Beatgruppen spielten allenthalben in den staatlichen Jugendklubs der DDR.

Gerade solche Zustände hatten jedoch mit dazu beigetragen, dass es 1968 in Warschau zur Rebellion der Studierenden und in der CSSR zur reformkommunistischen Bewegung des Prager Frühlings kam. Warum setzte die Kulturbewegung in der DDR solche gesellschaftlichen Entwicklungen nicht in Gang? Wie ordnen sich die damaligen Auseinandersetzungen in die europaweiten Entwicklung des „Reformkommunismus“ seit 1956 und in die Entwicklungen im Ostblock ein? Welche Folgen hatten das Kahlschlagplenum schließlich für die DDR selbst?

Vortrag und Diskussion mit:

Elfriede Müller (jour fix initiative berlin), Bernd Florath (Historiker, angefragt), Bernd Gehrke (Publizist, AK Geschichte)

Moderation: Renate Hürtgen (AK Geschichte)

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Termine und Ortsangaben können sich ändern. Die aktuellen Angaben finden Sie auf unserer Homepage: https://geschichtevonuntenostwest.wordpress.com unter „Unsere nächsten Veranstaltungen.“

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