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Vergangene Veranstaltungen

Die Revolution(en) 1918. Eine linke Aufarbeitung jenseits neuer Mythen

Wann: 08. Februar 2019, 19 Uhr

Wo: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Robert-Havemann-Saal, Greifswalder Straße 4, Berlin

Es sind namentlich die Revolutionen in der Geschichte, die schnell zum Mythos und deren Ziele und Verläufe später gern im eigenen politischen Interesse instrumentalisiert werden. So haben  wir 2019 erneut die Erzählung von der „friedlichen Revolution“ 1989 in der DDR  zu erwarten, die ihren historischen Sinn in der deutschen Einheit gefunden hätte. Es wird einige Anstrengung kosten, dem eine linke Erinnerung und Revolutionsgeschichte entgegen zu setzen.

Mit einem Rückblick auf die Revolution(en) 1918 wollen wir Fragen diskutieren, die uns auch andere Revolutionen erklären helfen. Waren Verlauf und Ergebnis der Novemberrevolution in Deutschland tatsächlich – in ihrem „Erfolg“ wie in ihrer „Niederlage“ – so vorherbestimmt wie es uns die (welche?) Geschichtsschreibung weiß machen will? Wie sah das reale Kräfte- und Machtverhältnis aus und was ist „Legende“,  und wie entwickelte es sich? Wie offen war Geschichte 1918? Und lässt sich die deutsche Revolution überhaupt begreifen, ohne die Gemeinsamkeiten, vor allem aber, ohne die unterschiedlichen Ausgangslagen in West- und Osteuropa zu berücksichtigen? Was waren die jeweiligen  Ziele, welchen Stellenwert hatten die Räte in den einzelnen Ländern?

Die Historiker Rüdiger Hachtmann und Reiner Tosstorff haben sich mit diesen Fragen beschäftigt und werden ihre Ergebnisse zur Diskussion stellen.

Moderation: Renate Hürtgen (AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost West)

Veranstalter: AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost West und Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte

 

100 Jahre russische Revolution

Alle Macht den Sowjets“?

Oder: Weshalb endete die Massenbewegung in einer Parteidiktatur?

  Wann: 25. Oktober 2017, 19 Uhr

   Wo: Mehringhof, Veranstaltungsraum

(Gneisenaustr. 2a; U-Bahn. Mehrringdamm)

Am 25. Oktober 1917, nach Julianischem Kalender, ergriffen die Bolschewiki im Namen der Sowjets (Räte) in Russland die Macht. Befeindet nicht nur von den herrschenden Klassen Russlands und der kapitalistischen Welt, sondern als „Usurpatoren der Revolution“ auch kritisiert von einem Großteil der reformistischen wie radikalen Linken, behaupteten die Bolschewiki in einem blutigen Bürgerkrieg ihre Macht und bauten sie im Namen der „Diktatur des Proletariats“ und des „Kommunismus“ zu ihrer Parteidiktatur über die Sowjets aus. So bleibt der Oktoberumsturz bis heute auch in der Linken umstritten. Gleichwohl wurde die russische Revolution mit der Machtergreifung der Bolschewiki und deren Folgen trotz GULAG-System und eines schmählichen Endes zur das XX. Jahrhundert prägenden Herausforderung für die gesamte kapitalistische Welt.

In der Veranstaltung wollen wir anhand von Filmausschnitten und kurzen Inputs über die Massenbewegungen, politische wie soziale Entwicklungen zwischen der Februarrevolution 1917 und dem Aufstand der Matrosen von Kronstadt im März 1921 informieren und über folgende Fragen diskutieren:

  • Welche politischen Etappen gab es im Verlauf der vier Jahre auf dem Weg zur Parteidiktatur der Bolschewiki?
  • Wie sahen die egalitären Bewegungen aus? Welche Forderungen und welche Ziele hatten die unterschiedlichen Bewegungen in den Fabriken, unter den Soldaten und bei den Bäuer*innen?
  • Wie veränderte sich das Verhältnis zwischen den sozialistischen Parteien und den Sowjets, den Räten, im Laufe des revolutionären Prozesses?
  • Wie sahen die damaligen Vorstellungen über die Perspektiven der Revolution aus und wie beurteilen wir heute die Chancen einer sozialistischen Selbstverwaltung im revolutionären Russland?

Mit: Hauke Benner und Bernd Gehrke

 

Vorschau: Am 7. November 2017 führt der AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West eine weitere Veranstaltung aus Anlass des hundertsten Jahrestags der russischen Revolution durch.

Titel: Sozialistische Revolution im Zeichen von Fordismus und Amerikanismus? Historischer Stellenwert und aktuelle Bezüge der russischen Revolution.

Ort: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalderstr. 4, Robert-Havemann-Saal

Zeit: 18.00 Uhr

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Nachtrag zur Tagung Ostwind – Soziale Kämpfe in Ostdeutschland …:

Erste umfassende Dokumentation zu sozialen Kämpfen der

Initiative Ostdeutscher und Berliner Betriebsräte, Personalräte und Vertrauensleute

erschienen!!!

Ab sofort kann die 415 Seiten starke Dokumentation der Initiative Ostdeutscher und Berliner Betriebsräte, Personalräte und Vertrauensleute als PDF-Datei auf unserer Homepage gelesen und herunter geladen werden. (siehe die Seite Archiv sozialer Kämpfe in Ostdeutschland nach 1990)

(Achtung: Aufgrund der Größe der Datei dauert das Hochladen einige Minuten)

Voraussichtlich im September wird das Bündnis Kritischer GewerkschafterInnen Ost/West auf gleiche Weise dokumentiert.

Darüber werden wir über unsere eMail-Verteiler sowie über Facebook informieren. Im Laufe des Sommers wird Bernd Gehrke sein Buch über die Sozialen Kämpfe der Belegschaften in Ostdeutschland gegen die Treuhand-Privatisierungen fertig stellen und bei Die Buchmacherei publizieren.

Da wir auf der Tagung beschlossen haben, möglichst viele vorhandene Dokumente der Kämpfe gegen die Treuhand zu veröffentlichen, appellieren wir hiermit an alle damaligen Akteure, ihre Dokumente zu sichern und uns zur Verfügung zu stellen.  Über weitere Veröffentlichungen zu diesem Thema werden wir Euch auf dem Laufenden halten.

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Unsere nächste Veranstaltung wird am 7. November 2017 der Russischen Revolution gewidmet sein. Details werden wir Mitte September veröffentlichen.

Ostwind – Soziale Kämpfe gegen Massenentlassungen und Betriebsschließungen in Ostdeutschland 1990 bis 1994

Der AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost West lädt vom 23.-25. Juni 2017 zur Tagung ein:

Ort: Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin, Havemannsaal

Vor 25 Jahren, am 20. Juni 1992, fand in der Berliner Kongresshalle am Alexanderplatz die 1.  Konferenz Ostdeutscher und Berliner Betriebsräte und Personalräte statt. Sie wurde zum Ausgangspunkt des selbstorganisierten Versuchs eines Branchen und Regionen übergreifenden Widerstandes von Belegschaften in ganz Ostdeutschland gegen die von der Treuhandanstalt im Auftrag der Regierung Kohl durchgesetzte Politik der Privatisierung der ostdeutschen Wirtschaft. Dieser Versuch entsprang der – bei den Spitzen der Gewerkschaften vermissten – Einsicht von Betriebsräten, dass nur ein flächendeckender Widerstand die Kahlschlagpolitik der Treuhandanstalt stoppen kann, die innerhalb von nur wenigen Jahren zur millionenfachen Zerstörung von Arbeitsplätzen und zur weitgehenden Deindustrialisierung Ostdeutschlands geführt hat. Doch bildete die auf ihrer ersten Konferenz gegründete Initiative Ostdeutscher und Berliner Betriebsräte, Personalräte und Vertrauensleute nur die Spitze einer viel breiteren, politisch agierenden sozialen Protestbewegung von Belegschaften, Betriebsräten, Vertrauensleuten, lokalen wie regionalen Gewerkschaften in Ostdeutschland, an der auch Teile der Erwerbslosenbewegung beteiligt waren.

Während über die verheerenden Folgen der Politik von Treuhandanstalt und Bundesregierung zahlreiche Bücher und Artikel veröffentlicht wurden, sind die Protestbewegungen, mit Ausnahme des monatelangen Kampfes der Kali-Kumpel und ihrer Frauen in Bischofferode, weitgehend vergessen. Wieder einmal zeigt sich, dass es die „Sieger“ sind, die Geschichte schreiben: Die breite Widerstandsbewegung gegen die Deindustrialisierung passt da schlecht ins Bild von der „Erfolgsgeschichte der deutschen Einheit“. Doch auch aus dem linken Gedächtnis sind diese Kämpfe verschwunden, was sicher nicht zuletzt daran liegt, dass sie mit einer Niederlage endeten: Die Proteste haben diesen Deindustrialisierungsschock nicht verhindern können. Manche ehemalige Aktivist/innen möchten sie deshalb aus der Erinnerung verdrängen. Dabei gehört dieser breite und oft mit militanten Methoden wie Betriebsbesetzungen, Straßen- und Autobahnblockaden geführte Kampf zu den herausragenden Ereignissen sozialer Protestbewegungen in der deutschen Geschichte.

Es ist höchste Zeit, sich dieser vergessenen Bewegung wieder zu zuwenden, zumal Ostdeutschland namentlich von jungen Aktivist/innen häufig nur als Hort von Rassismus und Nationalismus wahrgenommen wird. Wenn jedoch die Entwicklung in Ostdeutschland auf diese Vorgänge reduziert bleibt, gerät aus dem Blick, dass es zeitgleich eine emanzipatorische betriebliche Basisbewegung gab. Zum besseren Verständnis einer in Ostdeutschland erstarkten  rechten Bewegung gehört es aber auch, die dramatischen sozialen Umbrüche und die Niederlagen der Protestbewegung der 1990er Jahre danach zu befragen, inwieweit sie zu massiven Entsolidarisierungsprozessen führten und damit rechtsradikale Ideologien stärkten.

Die Privatisierungspolitik der Treuhandanstalt in Ostdeutschland zu Beginn der 1990er Jahre, die zur Zerstörung der ostdeutschen Großindustrie führte, wird in anderen Ländern wie Griechenland heute fortgesetzt, wo nach dem Muster der Treuhandanstalt Privatisierung und  Ausverkauf der Reichtümer des Landes im Interesse des deutschen und europäischen Kapitals betrieben wird. Wenn wir über den betrieblichen Widerstand und die Ursachen der Niederlage in Ostdeutschland vor 25 Jahren sprechen, werden wir auch darüber diskutieren müssen, ob und welche Lehren es für die Kämpfe von Beschäftigten und Gewerkschaften heute gegen diese Politik gibt.

Obwohl im Zentrum der Tagung die Initiative Ostdeutscher und Berliner Betriebsräte, Personalräte und Vertrauensleute steht, wollen wir zugleich die Vielfalt des Widerstandes von Belegschaften, Betriebsrät/innen und Gewerkschaften der frühen 1990er Jahre im Osten deutlich machen. In Vorträgen, Analysen sowie Berichten von Zeitzeug/innen sollen die Ereignisse, die damals wie heute durchaus unterschiedlich bewertet wurden, vorgestellt und diskutiert werden. Wir wenden uns vor allem an eine junge Generation heutiger Aktivist/innen aus Gewerkschaften und sozialen Bewegungen sowie an Wissenschaftler/innen und Publizist/innen, die sich für die Geschichte sozialer Bewegungen interessieren und mit denen wir gemeinsam den Bogen von der Geschichte in die Gegenwart schlagen wollen.

Bernd Gehrke, Willi Hajek, Renate Hürtgen (AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost West)

Flyer_Ostwind_end_16_06_2017 (PDF)

Im Anschluss an diese Tagung stellt der AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West das Buch von Rolf Geffken, „Kampf ums Recht. Beiträge zum komplizierten Verhältnis von Politik, Arbeit und Justiz“ VSA: Hamburg 2016, zusammen mit dem Autor und Kolleg/innen vom Express vor.

Zeit: 25. 6. 2017, 15.00 bis 17.00 Uhr

Ort: Mehringhof, 10961 Berlin, Gneisenaustraße 2a, Blauer Salon

 

Achtung für Zusatzangebot „Industrie- und sozialpolitische Stadtwanderung durch die ehemalige Industrieregien Berlin-Schöneweide in Kooperation mit dem Industriesalon Schöneweide und ehem. BetriebsrätInnen:

Der Unkostenbeitrag beträgt 8,- Euro
Treffpunkt:
Industriesalon Schöneweide
Reinbeckstr. 9 (ehem TRO-Gelände)
(über Wilhelminenhofstr.)
Anfahrt
:
Vom S-Bahnhof Schöneweide:
Tram 63 (Richtung Hirtestraße);
Tram 67 (Richtung Krankenhaus Köpenick)
Oder mit Tram 17 bis Wilhelminenhofstr./Edisonstr.
dann 5 Min zu Fuß über Wilhelminenhofstr.
Vom U-Bahnhof Tierpark:
Tram 27
(Richtung Krankenhaus Köpenick)
Im Interesse einer effektiveren Vorbereitung, bitte wir bis zum
22. Juni um Anmeldung unter info@dr-huertgen.de oder Bernd.Gehrke@web.de

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Der AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West lädt ein:

Rebellisches Schlesien

Geschichten über soziale Kämpfe in Oberschlesien

Eine Geschichte ohne Ende

Am Dienstag, 12. April 19.00 Uhr

Lichtblick Kino

Kastanienallee 77, 10435 Berlin

Telefon:030 44058179

Autor: Dariusz Zalega/ Katowice 2015

Realisierung: OM Studio Filmowe

Producent: Grupa Twórcza OCOCHODZI

 

OmU/teils synchronisiert

Übersetzt und Bearbeitet: Norbert Kollenda

Sprecherin: Bibiana Malay

Ton: Mathias Ramson

60 Minuten

Die Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt hat die Realisierung des Filmes unterstützt

 

 

Dieser Film möchte einen vergessenen  Teil der Geschichte dieser Region nahe bringen. Diese Region war ein wichtiges Ballungszentrum der Arbeiterschaft in Europa, in dem  sowohl die  Polnische, Deutsche, Österreichische und Tschechische Geschichte aufeinandertraf.

 

Unsere Erzählung im Film beginnt mit den Aufständen der Häuer  – den ersten Bergleuten im 16. Jahrhundert und führen ihn weiter zu den Bauernaufständen Anfang des 19. Jahrhunderts, die ersten Streiks der Arbeiter im damaligen preußischen Schlesien, die Kämpfe von Arbeitern und Arbeitslosen

im polnischen Oberschlesien zwischen den beiden Weltkriegen und schließlich der Proteste aus der Zeit der „Volksrepublik“ Polen. Der Film endet mit dem Bericht über den Streik während der Privatisierung der Fiat-Autobauer in Tychy 1992, denn die Geschichte der sozialen Kämpfe ist eine Geschichte ohne Ende.

Dazu inspirierte uns Bertold Brecht mit den „Fragen eines lesenden Arbeiters“ sagt Dariusz Zalega.

 

Jeweils ein Lied leitet in eine Episode ein (OmU) und dann wird der geschichtliche Bezug in Deutsch erzählt.

 

Seite zum Film, auch deutsche Beiträge: www.zbuntowanyslask.eu

 

Die DVD kann bei Norbert Kollenda: norbert@europa-von-unten.org bestellt werden. Der Preis 10,-Euro + 2,-€ Versandgebühren(Ausland 4,-€). Den Reinerlös bekommt mit Einverständnis der Stiftung der Verein „Ocochodzi“, der den Film produziert hat und neue Projekte plant.

 

Moderation: Bernd Gehrke/Norbert Kollenda

 

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11. Januar, 19 Uhr, Robert-Havemann-Saal, Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin

 Kahlschlag gegen einen „(Ost)Berliner Frühling“?

Das 11. Plenum des ZK der SED 1965 – Hintergründe und Auswirkungen auf den Geist der Rebellion in der DDR

Vor 50 Jahren, vom 16. bis zum 18. Dezember 1965 tagte das 11. Plenum des ZK der SED in Ostberlin. Nach dem bereits seit September 1965 zum Schlag gegen die „imperialistische Unkultur“ ausgeholt und Beatgruppen verboten worden waren, kam es auf dem 11. Plenum zu einer „Generalabrechnung“ mit der kritischen Intelligenzia und der rebellischen Jugendkultur. Eine Jahresproduktion von DEFA-Filmen, Büchern, Theaterstücken und Beatgruppen wurde verboten, Schriftsteller/innen geächtet und ihre Texte Jahre lang nicht gedruckt. Was waren Ursachen und Hintergründe für dieses Vorgehen? Immerhin konnten zuvor Robert Havemann kritische Vorlesungen an der Humboldt-Universität halten und Wolf Biermann kritische Lieder singen, Beatgruppen spielten allenthalben in den staatlichen Jugendklubs der DDR.

Gerade solche Zustände hatten jedoch mit dazu beigetragen, dass es 1968 in Warschau zur Rebellion der Studierenden und in der CSSR zur reformkommunistischen Bewegung des Prager Frühlings kam. Warum setzte die Kulturbewegung in der DDR solche gesellschaftlichen Entwicklungen nicht in Gang? Wie ordnen sich die damaligen Auseinandersetzungen in die europaweiten Entwicklung des „Reformkommunismus“ seit 1956 und in die Entwicklungen im Ostblock ein? Welche Folgen hatten das Kahlschlagplenum schließlich für die DDR selbst?

Vortrag und Diskussion mit:

Elfriede Müller (jour fix initiative berlin), Bernd Florath (Hg. von „Die DDR im Blick der Stasi. Die geheimen Berichte an die SED-Führung“), Bernd Gehrke (Publizist, AK Geschichte …)

Moderation: Renate Hürtgen (AK Geschichte …)

 

 

Achtung: Unsere Veranstaltung Charles Bettelheim: “Die Klassenkämpfe in der Sowjetunion ( 1918 – 1939) wird auf das erste Quartal 2016 verschoben, da das Buch nicht zum geplanten Zeitpunkt im September erschienen ist.

 

Unser im Oktober geplanter Workshop „1989 und die radikale Linke“ entfällt ersatzlos.

 

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Charles Bettelheim: Die Klassenkämpfe in der UdSSR

Buchvorstellung am 6. Dezember 2016, 20 Uhr, Buchladen Schwarze Risse, Mehringhof, Gneisenaustraße 2a

Charles Bettelheim war in den 1960er bis zum Beginn der 1980er Jahre einer jener profilierten marxistischen Ökonomen Frankreichs, die sich kritisch mit Ökonomie und Politik der Sowjetunion auseinandersetzten. Als Jungkommunist zuerst ein Kritiker des Stalinismus, wurde er später vor allem durch seine stark vom Maoismus geprägte Auseinandersetzung mit der Sowjetunion bekannt, die sich auch in den ersten beiden Bänden seiner „Geschichte der Klassenkämpfe in der UdSSR“ niederschlug. In seiner letzten Lebensphase unterzog er nicht nur die Gesamtentwicklung der SU, sondern auch das bolschewistische Revolutionsmodell einer grundsätzlichen Kritik von links.

Die radikale Neubewertung der bolschewistischen Machtergreifung 1917 als Auftakt einer anderen Art von „kapitalistischer Revolution“ und Herausbildung einer neuen Klassengesellschaft vollzog er am Beginn der 1980er Jahre vor allem mit dem Band III seiner „Geschichte der Klassenkämpfe in der UdSSR“. Auf über 600 Seiten dieses Doppelbandes analysierte er, empirisch untermauert, „die Welt der Herrschenden“ und „die Welt der Beherrschten“.

Der Arbeitskreis Geschichte sozialer Bewegungen Ost West stellt zusammen mit dem Verlag Die Buchmacherei den erstmals in deutscher Sprache als Band 3 und 4 erschienenen letzten Band von Bettelheims Analyse der sowjetischen Gesellschaft vor. Wir werden zum einen seine Verortung namentlich im französischen Diskurs bezüglich der Sowjetunion, des Leninismus und Stalinismus erörtern. Zum anderen wollen wir danach fragen, welche Bedeutung Bettelheims Klassenanalyse der damaligen sozialökonomischen Verhältnisse und der Rolle des Sowjetstaates einschließlich seiner außenpolitischen Lage für unsere heutige Diskussion hat.

Im nächsten Jahr jährt sich die Oktoberrevolution von 1917 zum 100. Mal. In der bürgerlichen Presse wird die Totalitarismusanalyse Hochkonjunktur haben. Ein guter Anlass, sich am Beispiel von Bettelheims Darstellung zu fragen, welchen Charakter diese Revolution tatsächlich hatte und wie diese Gesellschaften funktioniert haben. Wenn wir heute darüber diskutieren, wie eine alternative Gesellschaft zum herrschenden Kapitalismus aussehen könnte, kann die Auseinandersetzung mit Bettelheims Angeboten weiter helfen.

Es diskutieren:

Jochen Gester (Verlag Die Buchmacherei)

Bernd Gehrke (AK Geschichte)

Willi Hajek AK Geschichte)

Renate Hürtgen (AK Geschichte)

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Ungarn 1956 – Die Aktualität der Revolution
Workshop │29. Oktober 2016 │11-18 Uhr
Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, Berlin

1956 war ein Jahr der Rebellion gegen den „real existierenden Sozialismus“ und ein
entscheidendes Jahr für die Herausbildung einer „Neuen Linken“.
Nach dem Tod Stalins und dem Aufstand in der DDR 1953 war es vor allem
Chruschtschows Geheimrede auf dem 20. Parteitag der KPdSU im März 1956
mit ihrer offenen Stalin-Kritik, die zum Auslöser der „Entstalinisierung“ und für
Aufstandsbewegungen in ganz Osteuropa wurde. Sie erreichten ihren Höhepunkt
in Ungarn: Seit dem 23. Oktober 1956 setzen in Budapest Massendemonstrationen
und Streiks eine unvorhergesehene revolutionäre Dynamik in Gang: die
„erste totale Revolution gegen den totalen bürokratischen Kapitalismus“ (Castoriadis).
Staats- und Parteiapparat werden pulverisiert, überall entstehen spontan
Revolutions- und Arbeiterräte, die das Rückgrat des militärischen wie politischen
Widerstands gegen die russischen Truppen und einer basisorientierten demokratischen
gesellschaftlichen Neuorganisation bilden. Aber die Dynamik wird von außen gewaltsam
gestoppt: Die sowjetische Armee schlägt die Revolution nach kurzer Zeit blutig nieder.
Geschichte wie Nachgeschichte der ungarischen Revolution gehören zu den großen und
umstrittensten politischen Lehrstücken des 20. Jahrhunderts.
Die Veranstaltung gibt eine Übersicht über die politische Vorgeschichte und
die revolutionären Geschehnisse sowie die Verbindungen mit weiteren
oppositionellen Bewegungen im restlichen von der UdSSR beherrschten
Osteuropa. Einen Schwerpunkt bildet die Vorstellung der zeitgenössischen
Interpretation der Ereignisse durch die französische politische Gruppe
„Socialisme ou Barbarie“ und Cornelius Castoriadis. Ausgehend von dieser
Interpretation und vom Lehrstück „Ungarn 1956“ soll schließlich auch über
Aktualität der ungarischen Revolution und die Inhalte einer
radikaldemokratischen sozialen Erneuerung heute diskutiert werden.
Die Veranstaltung steht allen Interessierten offen, die Teilnahme ist kostenlos. Um
aber besser planen zu können, bitten wir Interessierte, sich bis zum 15.10. formlos
bei Harald Wolf anzumelden (hwolf1@gwdg.de).
Ungarn 1956 – Die Aktualität der Revolution
Workshop │29. Oktober 2016 │11-18 Uhr
Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, Berlin

PROGRAMM

11 Uhr Begrüßung und Einführung

I. GESCHICHTE UND KONTEXT DER REVOLUTION

11.30-12.00 Uhr VORTRAG
Bernd Gehrke: Die Krise des Stalinismus und die Räte-Bewegung in
Polen und Ungarn

12.00-12.15 Uhr Nachfragen, Pause

12.15-13.00 Uhr MULTIMEDIALER INPUT
Andrea Gabler: Schlaglichter auf die ungarische Revolution 1956

13.00-14 Uhr Diskussion der beiden Beiträge

14-15 Uhr Pause

II. INTERPRETATION DER UNGARISCHEN REVOLUTION

15-15.30 Uhr VORTRAG
Harald Wolf: Ungarn 56 und der Autonomieentwurf

15.30-16.15 Uhr Diskussion

III. DIE AKTUALITÄT DER UNGARISCHEN REVOLUTION?

16.15-18.00 Uhr DISKUSSION mit IMPULSEN von
Matthias Istvan Köhler
David Ames Curtis
und anderen

Veranstalter/innen: Verein für das Studium und die Förderung der Autonomie (VSFA) |
Arbeitskreis Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West | Bibliothek der Freien |
Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte

 

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 Von Marx zum Maulwurf. Linker Buchhandel in Westdeutschland in den 1970er Jahren

27. Juni 2016, 20 Uhr

Buchhandlung „Schwarze Risse“, Gneisenaustraße 2 (Mehringhof), 10961 Berlin

Mit seiner Arbeit über den 1970 gegründeten und 1983 quasi entschwundenen Verband des linken Buchhandels (VLB) hat Uwe Sonnenberg nicht nur eine kenntnisreiche Verlags- und Buchladengeschichte der Linken geschrieben, sondern zugleich eine bisher einmalige Sozial- und Ideengeschichte der undogmatischen radikalen Linken Westdeutschlands in den 1970er Jahren vorgelegt. Die Anfänge dieses Netzwerkes im historischen Kontext der 68er Bewegung beschreibt Uwe Sonnenberg ebenso spannend wie den Bedeutungsrückgang des VLB mit dem Aufkommen alternativer Milieus und dem Verlust bestimmter Alleinstellungsmerkmale gegenüber dem etablierten Buchhandel. Identitätskrisen („Für wen machen wir den Laden eigentlich?“) und Selbstzweifel („Was ist heute noch links?“) sind Charakteristika dieser letzten Phase des VLB. Der erstaunlichste Effekt des Buches: Unsere heutige Situation lässt sich mit diesem Blick auf das lange „rote Jahrzehnt“ besser begreifen.

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Buchvorstellung und Diskussion: Uwe Sonnenberg, Bernd Gehrke, Markus Mohr

Moderation: Renate Hürtgen

 

Verlagsankündigung:

Uwe Sonnenberg
Von Marx zum Maulwurf
Linker Buchhandel in Westdeutschland in den 1970er Jahren
Geschichte der Gegenwart (Hg. von Frank Bösch und Martin Sabrow), Bd. 11
568 S., 37 Abb., geb., Schutzumschlag
44,- € (D); 45,30 € (A)
ISBN 978-3-8353-1816-8

„Ladenkollektive, Raubdrucke und politische Agitation: Ein spannendes Stück Kulturgeschichte der alten Bundesrepublik. Sonnenberg zeigt, wie die von den linken Buchhandelsunternehmen produzierte und vertriebene Literatur Weltbilder und Denkweisen ihrer Produzenten und Rezipienten prägte.“

 

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Im Jahr 2016 hatten wir kein zuvor festgelegtes Jahresprogramm. Unsere Veranstaltungen wurden von Fall zu Fall einzeln bekannt gegeben. Siehe:  Unsere letzten Veranstaltungen auf der Startseite. Seit 2017 führen wir jährlich eine größere Tagung und verschiedene spontane Veranstaltungen durch, die wir kurzfristig bekannt geben.

 

Das folgende Programm war unser Jahresprogramm vom Januar 2015. Für die einzelnen Veranstaltungen hatten sich im Verlauf des Jahres Veränderungen ergeben. Der jeweils aktuelle Stand der einzelnen Veranstaltungen war deshalb auf der Startseite unter der Rubrik „Unsere nächsten Veranstaltungen“ zu entnehmen.

Emanzipation braucht Geschichte!

Themenschwerpunkt 2015:

1945 – 1989

Epoche zwischen Befreiung und Unterdrückung

Im erinnerungspolitischen Zentrum des Jahres 2015 stehen der 70. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus und der 25. Jahrestag des „Beitritts der DDR zur BRD“. Diese Jahresdaten markieren epochale Zäsuren, deren Bedeutung bis heute nicht nur in der deutschen und internationalen Arena als Referenzpunkt zur Legitimierung der aktuellen Politik dienen, sondern auch in der Linken zutiefst umstritten sind. Während in aktuellen rechtspopulistischen Bewegungen wie PEGIDA nicht nur erneut ein „Ende der deutschen Schulddebatte“ gefordert wird, ranken in den Augen des russischen Präsidenten die aktuellen Konflikte von NATO und Russland in der Ukraine um die Zerstörung des Abkommens und der Ordnung von Jalta. Umgekehrt gilt der herrschenden Klasse Deutschlands die „Einheit in Freiheit“ als Legitimationsbasis heutiger, zumeist als alternativlos behaupteter Politik.

Doch auch innerhalb der Linken haben Auseinandersetzungen um die Art und Weise, wie an den 8. Mai 1945 in einer linken Erinnerungskultur gedacht werden soll, eine lange Tradition. Bis heute haben sie nicht nachgelassen, weil der Befreiung vom Hitlerfaschismus nicht die Verwirklichung der Träume des antifaschistischen Befreiungskampfes von einer freien Gesellschaft und der Visionen von Freiheit und Sozialismus folgten. Vielmehr wurde der 8. Mai 1945 zum Auftakt einer Ordnung der imperialistischen Aufteilung Europas zwischen den Supermächten, zur Ordnung von Jalta. In Westeuropa wurden die antifaschistischen Partisanen entmachtet und die alten herrschenden Klassen von den westlichen Siegermächten wieder an die Macht geschoben, in Westdeutschland kam das blutbefleckte Nazi-Establishment nur wenig gesäubert wieder an alte Machtposten. Osteuropa und Ostdeutschland gerieten mit dem 8. Mai 1945 hingegen unter den Stiefel des Stalinismus, der eine neue brutale Diktatur errichtete. Im Namen des Antifaschismus verfolgte er sogleich Antifaschist/innen, im Namen des Sozialismus Sozialist/innen, wenn sie ihm als Bedrohung erschienen. Nur nach und nach milderte sich das Ausmaß des neuen Terrors.

Die Jahrzehnte zwischen 1945 und 1989/90 waren geprägt von der imperialistischen Teilung Europas, die in Jalta von den Siegermächten beschlossen worden war. Ihre Auflösung, die vor 25 Jahren mit der Überwindung des sowjetischen Imperiums begann, wurde jedoch zum Auftakt auch des Untergangs der zunächst siegreichen Pax americana. Als neue Weltunordnung erscheint sie täglich spürbarer.

Der Zusammenhang von antifaschistischer Befreiung 1945, imperialistischer Ordnung von Jalta und der Art und Weise der Beseitigung dieser Ordnung in den Jahren 1989/1990 soll Schwerpunkt unseres diesjährigen Programms sein. Wir wollen uns diesen historischen Umbrüchen zuwenden und die Mythen der herrschenden wie der linken Geschichtsschreibung aufdecken. „These History is unwritten.“

Wir fragen nach den Erinnerungskulturen an den 8. Mai 1945 in der SU und im heutigen Russland. Wir werden im Rahmen eines Workshops den Stellenwert von 1989 für die radikale Linke diskutieren sowie den Tagungsband „History is unwritten“ mit den Herausgeber/innen zusammen vorstellen. Wir fragen aber auch nach den Potenzialen der Veränderung, wollen wissen, ob 1965 in der DDR ein (Ost)Berliner Frühling verhindert wurde und stellen anlässlich der deutschen Erstveröffentlichung des Band III von Charles Bettelheim „Klassenkämpfe in der Sowjetunion“ vor. Von den aktuellen sozialen Bewegungen interessieren uns in diesem Jahr vor allem die Lage in Griechenland nach der Wahl, die Auseinandersetzungen um das sogenannte Tarifeinheitsgesetz, die Bewegungen in Portugal, die prekären Bedingungen, unter denen französische Kunstschaffende leben und welche Widerstandsformen sie entwickelt haben.

Bernd Gehrke Willi Hajek Renate Hürtgen

Berlin, Februar 2015

13. Februar, 19 Uhr, Familiengarten, Oranienstraße 34, 10999 Berlin (U-Bhf. Kottbusser Tor)

Widerstand und internationale Solidarität nach den Wahlen in Griechenland

Der kräftige Linksruck in Griechenland ist vor allem auch den zahlreichen Initiativen der Selbsthilfe und den Aktivitäten der Basisgewerkschaften zu verdanken. Mit der Bildung der neuen Regierung werden die vielfältigen Initiativen der sozialen Selbst- und Nachbarschaftshilfe und des politischen Widerstandes nicht überflüssig. Ganz im Gegenteil – ihre politische und außerparlamentarische Mobilisierung entscheidet mit darüber, ob SYRIZA dem Druck seiner äußeren und inneren Gegner standhalten kann. Inwieweit es gelingt, den Auseinandersetzungen um die Austeritätspolitik auf griechischer und europäischer Ebene eine neue Dynamik zu verleihen, ist derzeit offen. Welche Möglichkeiten scheinen real?

*Die gegenwärtige Situation in Griechenland als Folge der Politik der Troika, die Vorstellungen von Syriza und die neue Situation nach den Wahlen *Werden Syriza in Griechenland und Podemos in Spanien zusammen zu einem neuen linken Hoffnungsträger im europäischen Widerstand gegen die Austeritätspolitik? *Hat die griechische Widerstandsbewegung reelle Chancen, neue politische und gesellschaftliche Aktions- und Organisationsformen zu entwickeln?

Es diskutieren: Evridike Bersi, Journalistin aus Athen und Gregor Kritidis, Historiker und Autor des Buches „Griechenland – auf dem Weg in den Maßnahmestaat? Autoritäre Krisenpolitik und demokratischer Widerstand“

Moderation: Kalle Kunkel (Teilnehmer der Solidaritäts-Reisegruppe) und Willi Hajek (AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost West)

Gemeinsame Veranstaltung von Griechenlandsolidarität Berlin und AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost West

 

  1. März, 19 Uhr, Robert-Havemann-Saal, Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin

 Hände weg vom Streikrecht!

Am 21./22. Mai 2015 soll das höchst umstrittene »Tarifeinheitsgesetz« in 2. und 3. Lesung im Bundestag beraten und verabschiedet werden. Kommt es so weit, wird ein weiteres Grundrecht – wie bei der weitgehenden Aushebelung des Asylrechtes Anfang der neunziger Jahre – massiv eingeschränkt. Die EU-weiten Angriffe auf das Streikrecht sind offizielles Ziel der »EU-Agenda 2020«. Seit einigen Jahren wird dieses Ansinnen, entsprechend den jeweiligen Bedingungen in den einzelnen EU Staaten, in unterschiedlichem Tempo umgesetzt. Der erste Schritt zur Einengung des Streikrechtes in Deutschland nennt sich »Tarifeinheitsgesetz«. Entgegen allen Beteuerungen aus den Reihen der Großen Koalition und des DGB wird mit diesem Gesetz das Streikrecht massiv eingeschränkt werden.

Aber es gibt Widerstand!

Mit dieser Veranstaltung wollen wir zusammen mit dem Aktionsbündnis »Hände weg vom Streikrecht – für volle gewerkschaftliche Aktionsfreiheit! für die bundesweite Demonstration am 18. April in Frankfurt vor dem Hauptbahnhof um 13 Uhr mobilisieren.

Gemeinsame Veranstaltung: AK Geschichte sozialer Bewegungen ost west, Komitee „Hände weg vom Streikrecht“, FAU-Berlin, Kolleg_innen von Ver.di, GEW und NGG, den drei Anti-Tarifeinheitsgewerkschaften im DGB, dazu Kritiker_innen aus den Reihen der IG-Metall und befreundete Arbeitsrechtler_innen aus Berlin.

http://streikrecht-verteidigen.org (Aktionsbündnis) http://tinyurl.com/oqd6qrc. (Prof. Däubler) http://tinyurl.com/kcrjh6h (Juristenaufruf zum sofortigen Stopp des Gesetzes) http://www.labournet.de// www. streikrecht.de

 

 

  1. April, 19 Uhr, Mehringhof, großer Saal, Gneisenaustraße 2a, 10961 Berlin

 Portugal: der Krisenprozess und die aktuelle Situation

Der 25. April ist und bleibt für uns ein historisches Datum, untrennbar verbunden mit der portugiesischen Nelkenrevolution von 1974. Im letzten Jahr erinnerten wir uns mit Filmen und Berichten an dieses Ereignis. Im zweiten Teil dieser Veranstaltungsreihe analysierten wir die gegenwärtige Situation in Portugal, die sozialen Bewegungen und die Perspektiven im Rahmen des europäischen Krisenprozesses. In diesem Jahr wollen wir diese begonnene Diskussion mit den Berichten über die aktuelle Situation, die Entwicklung der alternativen gesellschaftlichen Praktiken, der gewerkschaftlichen und sozialen Initiativen in Portugal fortsetzen. Eingeladen haben wir Antonio Lourca, der als Angestellter und engagierter Betriebsrat beim portugiesischen Fernsehen selbst Akteur in diesem Prozess ist.  Moderation: Willi Hajek (AK Geschichte) und Hauke Benner

 

15. Mai, 19 Uhr, Robert-Havemann-Saal, Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin

Der 8. Mai 1945 (1. Teil) 

Zwischen Befreiung und neuer Weltordnung der Blöcke. Eine Veranstaltung gegen alte und neue Mythen

Am 8. Mai 2015 jährt sich der Sieg der Alliierten über den deutschen Aggressor, über das faschistische Deutschland zum siebzigsten Mal. Ein bestialisches Regime wurde vernichtet und ein Krieg mit 60 Millionen Toten beendet. Mit dem 8. Mai 1945 sind neben der Freude über die Befreiung vom Faschismus und über das Kriegsende unter Befreiten wie Befreienden jedoch zugleich die unterschiedlichsten, auch gegensätzliche, historische Erfahrungen, Sichtweisen und Gefühle verbunden. Denn „der Tag der Befreiung“ wurde zugleich zum Auftakt der Errichtung einer neuen Weltordnung imperialistischer Blöcke – und damit der Teilung Europas unter das Regime von Jalta. Westliche Siegermächte setzten alles daran, alte Einflussgebiete auch mit Bürgerkriegen zu erhalten und versuchten, ihre Kolonialreiche wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Für die Länder, die der sowjetischen Hoheit zu fielen, war es der Auftakt zu einer neuen Diktatur, die mit brutalen Mitteln durchgesetzt wurde. Viele, die für die Befreiung vom Faschismus gekämpft hatten, sahen sich in Ost wie in West bald um ihre Hoffnungen betrogen oder gar selbst wieder neuer Verfolgung ausgesetzt. Faschistische Diktatur und Krieg, Leid, Befreiung, Aufbruch und Durchsetzung einer neuen Ordnung der Supermächte stehen gleichermaßen für den 8. Mai 1945.

Vortrag und Diskussion mit:

Peter Brandt (Historiker): Antikapitalistische Perspektiven 1945 und die verhinderte Neuordnungin Westeuropa und Westdeutschland

Bernd Gehrke (Publizist, AK Geschichte): Sozialistische Hoffnungen 1945 und die stalinistische Neuordnung Ost(mittel)europas

Moderation: Renate Hürtgen (AK Geschichte)

Eine Veranstaltung des AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West, des Bildungswerks Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung und der Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte. Die Veranstaltung wird finanziert aus Mitteln der Berliner Lotto-Stiftung

 

8. Mai 1945 (2. Teil)

  1. Mai, Treffpunkt: 15.30 Uhr vor dem Deutsch-Russischen Museum in Berlin Karlshorst, Zwieseler Straße 4, 10318 Berlin

Zwischen Triumph und Trauma. Der 8. Mai 1945 in der Sowjetunion und in Russland heute. Die Erinnerung an das Ende des zweiten Weltkrieges. *Ausstellungsführung und anschließende Diskussion (2. Teil)*

*In Karlshorst wurde am 8. Mai 1945 mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht der zweite Weltkrieg in Europa beendet. Seit 1998 befinden sich in diesem Gebäude Ausstellungen.*

Das Leid der sowjetischen Menschen im Krieg, in dem Millionen umgekommen waren, war besonders groß. Aber nicht nur der Krieg brachte dieses Leid, das stalinsche Regime hatte bereits zuvor Millionen in Lager oder in die Verbannung geschickt, für die der Tag der Befreiung noch nicht gekommen war. Kriegsgefangene sowjetische Soldaten kamen nach Kriegsende als Gefangene des Stalinregimes in den GULAG. Eine ganze Generation erlebte Jahrzehnte lang vor allem Gewalt und Terror. „Unsere Männer kamen entweder aus dem Krieg oder aus dem Lager“ (S. Alexijewitsch). Es ist nicht verwunderlich, dass der „Große Vaterländische Krieg“ rasch zu einem Mythos wurde. Wir wollen in der Veranstaltung über die offizielle wie die familiäre Erinnerungskultur in der Sowjetunion und im heutigen Russland, informieren und diskutieren. Doch auch der Umgang mit der „Erinnerung an den 8. Mai 1945“ in Deutschland soll zur Sprache kommen.

15. 30 Uhr: Führung durch die Ausstellung.

17.00 Uhr: Diskussion im Seminarraum

Führung und Diskussionsleitung: Sebastian Gerhard

Moderation: Renate Hürtgen (AK Geschichte)

Eine Veranstaltung des AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West, des Bildungswerks Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung und der Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte. Die Veranstaltung wird finanziert aus Mitteln der Berliner Lotto-Stiftung

 

  1. Mai, 19 Uhr, Mehringhof, großer Saal, Gneisenaustraße 2a, 10961 Berlin

Prekäre Kulturschaffende – Intermittantes – in Frankreich zwischen prekärer Lohnarbeit und Erwerbslosigkeit

Eine der wichtigsten sozialen Bewegungen im letzten Jahr in Frankreich war sicherlich die lang andauernde Streik- und Boykottbewegung der prekären Kulturschaffenden. Angetreten unter der Parole „Was wir für uns verteidigen, verteidigen wir für alle“ versuchen sie, ihre Lebens- und Arbeitsweise der ständig unterbrochenen, diskontinuierlichen Lohnarbeit zu verteidigen. Einerseits sind sie prekäre Lohnarbeiter/innen, bei Vorführungen auf Festivals, in Theatern und Opern, auf kleinen und großen kulturellen Events wie zum Beispiel die Festivals im Sommer 2014 in Avignon, Montpellier und anderswo; gleichzeitig haben sie ihre Vorbereitungszeiten, ihre schöpferischen Pausen, die nicht durch einen Lohnarbeitsvertrag abgesichert werden. Die Regelungen der Sozialversicherung garantieren ihnen aber einen solidarischen Ausgleich. Der Ursprung des Gesetzes für die Kulturschaffenden datiert noch aus der Zeit der Volksfront 1936. Mit diesem Vorhaben sollte gerade eine breite Kulturarbeit sichergestellt werden. Die Regierungen, linke wie rechte, zuerst 20O3, und jetzt die Regierung Hollande mit dem Verweis auf die von der EU- Kommission dekretierten Einsparmaßnahmen, haben 2014 ein neues Gesetzespaket durch das Parlament gebracht, das einschneidende Verschlechterungen für den Lebensalltag der Intermittantes nach sich zieht.

Gast: Michel Poitevin (Sud-Culture Marseille) Moderation: Willi Hajek ( AK-Geschichte )

 

  1. 15. Juni, 19 Uhr, Mehringhof, großer Saal, Gneisenaustraße 2a, 10961 Berlin

 „History is unwritten. Linke Geschichtspolitik und kritische Wissenschaft. Ein Lesebuch“.

*Buchvorstellung und Diskussion*

Das Lesebuch, das im März 2015 bei edition assemblage erscheint, ist die umfangreich erweiterte Dokumentation der gleichnamigen Konferenz in Berlin im Dezember 2013. Dort wurde von historisch Forschenden, AutorInnen, KünstlerInnen und politischen Initiativen diskutiert, wie ein emanzipatorischer Umgang mit Geschichte heute aussehen könnte. Um weitere wichtige Wortmeldungen ergänzt, sind nun 25 Beiträge mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Perspektiven versammelt. Das Spektrum reicht von Analysen kritischer Geschichtspolitik und -wissenschaft bis hin zu konkreten Beispielen für Arbeitsfelder und Praxen politischer Initiativen und künstlerischer Interventionen in die herrschende Geschichtsschreibung. Zusammen ergeben die Beiträge einen vielfältigen Eindruck von einer Linken, die sich um die Vergangenheit scheren muss, wenn sie etwas von der Zukunft will. „Letztlich ist es die Frage nach einer neuen linken Perspektive, einer Zukunft jenseits von Kapitalismus und „Realsozialismus“, jenseits bisheriger feststehender Wahrheiten; es geht um Denk- und Handlungsangebote für einen Weg dahin. Alles gehört auf den Prüfstand, namentlich die eigene Geschichte.“

Es diskutieren: Das Kallektiv der Herausgeber/innen Jana König, Till Sträter, Henning Fischer, Uwe Fuhrmann, Elisabeth Steffen und Autor/innen mit dem AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost West.

  1. September, 19 Uhr, Mehringhof, Gneisenaustraße 2a, 10961 Berlin,

Charles Bettelheim: „Die Klassenkämpfe in der Sowjetunion ( 1918 – 1939 )

*Buchvorstellung und Diskussion des erstmals in deutscher Sprache erschienenen 3. Bandes*

Seit einiger Zeit wird wieder verstärkt über eine alternative Gesellschaft jenseits von Kapitalismus und Kommunismus diskutiert. Die Verständigung darüber, was für eine Gesellschaft nach der Oktoberrevolution in Russland entstanden war, gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine solche Debatte. Für Bettelheim war es eine neue, bisher unbekannte Form von bürgerlicher Klassenherrschaft. Die „Diktatur des Proletariats“ hatte die Ausbeutung nicht aufgehoben, es gab weiterhin ein Oben und ein Unten in der angeblichen Gesellschaft der Gleichheit. Gibt uns Bettelheims Kritik an der Sowjetmacht für unsere heutigen Fragen Antworten? Wie schätzen wir seine Position ein? Wo können wir an Bettelheim anknüpfen und was müssen wir neu durchdenken? Solche Fragen, aber auch Bettelheims Leben und Werk wollen wir in der geplanten Veranstaltung aus Anlass des Erscheinens des Buches diskutieren. Dieser dritte Band erscheint das erste Mal auf Deutsch und zeigt auf, wie sehr reale Ereignisse, theoretische Reflexionsprozesse und praktische Lebensentwürfe zusammenwirken.

Jochen Gester (Die Buchmacherei) Willi Hajek (AK Geschichte) Bernd Gehrke (AK Geschichte)

Moderation: Renate Hürtgen (AK Geschichte)

 

  1. und 25. Oktober, Robert-Havemann-Saal, Haus der Demokratie und Menschenrechte,

  2. Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin

 1989/90 und die radikale Linke in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme (Workshop mit dem AK Gegen den Strich)

Die Ereignisse von 1989/90 haben das politische Koordinatensystem fundamental verändert: Mit dem ideellen und materiellen Scheitern des „Realsozialismus“ begann der Siegeszug der westlichen Erzählung von der Alternativlosigkeit kapitalistischer Verhältnisse; der neue deutsche Nationalstaat präsentierte sich fortan als Happy End nach erfolgreicher Überwindung ‚zweier deutscher Diktaturen‘. Rund um den 25. Jahrestages der ‚Wiedervereinigung‘ wird uns diese Geschichtsdeutung in Endlosschleife entgegenschallen.

Angesichts dessen wollen wir danach fragen, was eine radikale Linke dem eigentlich entgegenzusetzen hat. Haben wir überhaupt so etwas wie eine konsensfähige Deutung der Ereignisse von 1989/1990? Wurden deren zweifellos gravierende Auswirkungen auf unsere politische Praxis im vereinten Deutschland bisher ausreichend analysiert und reflektiert? Im Gespräch mit linken Akteur/innen aus DDR und BRD der 1980er/90er Jahre wollen wir danach fragen, aus welchen Erfahrungs- und Erwartungshorizonten sie prägende Entwicklungen und Ereignisse um 1989/90 wahrgenommen, mit gestaltet und verarbeitet haben. Welche politischen Prioritäten haben sich daraus für unterschiedliche Strömungen einer gesamtdeutschen Linken ergeben? Welche innerlinken Konfliktkonstellationen sind entstanden und wie sind sie gelöst worden bzw. in welcher Form bestehen sie heute noch? Ziel des Workshops ist eine erste Sondierung linker Geschichte(n) der letzten 25 Jahre, dem dann weitere themenspezifische Veranstaltungen folgen sollen.

Veranstaltet vom: AK Geschichte gegen den Strich und dem AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost West

 

Dezember, 19 Uhr, Havemannsaal, Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin

 Kahlschlag gegen einen „(Ost)Berliner Frühling“?

Das 11. Plenum des ZK der SED 1965 – Hintergründe und Auswirkungen auf den Geist der Rebellion in der DDR

Vor 50 Jahren, vom 16. bis zum 18. Dezember 1965 tagte das 11. Plenum des ZK der SED in Ostberlin. Nach dem bereits seit September 1965 zum Schlag gegen die „imperialistische Unkultur“ ausgeholt und Beatgruppen verboten worden waren, kam es auf dem 11. Plenum zu einer „Generalabrechnung“ mit der kritischen Intelligenzia und der rebellischen Jugendkultur. Eine Jahresproduktion von DEFA-Filmen, Büchern, Theaterstücken und Beatgruppen wurde verboten, Schriftsteller/innen geächtet und ihre Texte Jahre lang nicht gedruckt. Was waren Ursachen und Hintergründe für dieses Vorgehen? Immerhin konnten zuvor Robert Havemann kritische Vorlesungen an der Humboldt-Universität halten und Wolf Biermann kritische Lieder singen, Beatgruppen spielten allenthalben in den staatlichen Jugendklubs der DDR.

Gerade solche Zustände hatten jedoch mit dazu beigetragen, dass es 1968 in Warschau zur Rebellion der Studierenden und in der CSSR zur reformkommunistischen Bewegung des Prager Frühlings kam. Warum setzte die Kulturbewegung in der DDR solche gesellschaftlichen Entwicklungen nicht in Gang? Wie ordnen sich die damaligen Auseinandersetzungen in die europaweiten Entwicklung des „Reformkommunismus“ seit 1956 und in die Entwicklungen im Ostblock ein? Welche Folgen hatten das Kahlschlagplenum schließlich für die DDR selbst?

Vortrag und Diskussion mit:

Elfriede Müller (jour fix initiative berlin), Bernd Florath (Historiker, angefragt), Bernd Gehrke (Publizist, AK Geschichte)

Moderation: Renate Hürtgen (AK Geschichte)

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Termine und Ortsangaben können sich ändern. Die aktuellen Angaben finden Sie auf unserer Homepage: https://geschichtevonuntenostwest.wordpress.com unter „Unsere nächsten Veranstaltungen.“

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