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Unsere Veranstaltungsthemen

Einige letzte Veranstaltungen 2014:

29. September 2014, 19 Uhr

Mehringhof, Versammlungsraum

Mehringdamm 2

25 Jahre nach dem Ende der Jaruzelski-Diktatur:

Die sozialen Bewegungen Polens.
Hoffnungen – Realitäten – Perspektiven

Vortrag und Diskussion mit:

Jarosław Urbański, Poznań

(Soziologe, Aktivist der polnischen Opposition  in den 1980er Jahren, Mitbegründer und Aktivist der Gewerkschaft   „Arbeiterinitiative“, Autor zahlreicher Publikationen)

                                     Moderation und Übersetzung: Bernd Gehrke, Norbert Kollenda

Neben dem Ersten Weltkrieg bestimmt der 25. Jahrestag des Mauerfalls die öffentliche Geschichtserinnerung in diesem Jahr. Doch die Umbrüche von 1989 fanden nicht nur in der DDR und in Deutschland statt, sondern in ganz (Mittel)Osteuropa. Eine Schlüsselrolle dabei spielte die Entwicklung in Polen. Trotz öffentlicher Verbeugungen gegenüber Polen ist die tatsächliche Entwicklung dort weitgehend unbekannt. Fast noch unbekannter scheint das heutige innenpolitische und soziale Geschehen in diesem, unserem Nachbarland. So wird die Gewerkschaft Solidarność als Hauptakteur der polnischen Opposition der 1980er Jahre immer wieder hervor gehoben, doch welche Rolle sie im Umbruch von 1989 tatsächlich spielte oder weshalb aus der Gewerkschaftsbewegung eine harte neoliberale Transformationspolitik hervor gegangen ist, dafür gibt es kaum Erklärungen. Zudem: Welchen Stellenwert besitzen heute Gewerkschaften überhaupt innerhalb der sozialen Bewegungen und der Gesellschaft Polens?

In unserer Veranstaltung wollen wir einen Bogen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart schlagen. Wir wollen einen Rückblick auf die Hoffnungen und die realen Abläufe des sozialen und demokratischen Umbruchs von 1989 werfen, uns vor allem aber mit dem heutigen Zustand sozialer und gewerkschaftlicher Bewegungen in Polen beschäftigen. Mit Hilfe unseres Referenten wollen wir erkunden, welche Rolle Gewerkschaften im heutigen Polen spielen und welchen Stellenwert andere soziale Bewegungen, Geschlechterfragen, ökologische oder antiklerikale Bewegungen besitzen.

Jarosław Urbański war Friedens- und Umweltaktivist in den 1980er Jahren, ist heute syndikalistischer Gewerkschaftsaktivist und Publizist.

Eine Veranstaltung des AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West und des Bildungswerks Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung. Realisiert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie

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16. Juni 2014, 20,00 Uhr, Haus der Demokratie und Menschenrechte

Robert-Havemann-Saal, Greifswalderstr. 4 (zwei Stationen vom Alex mit Straßenbahn M3/M4)

 Krieg – Vaterland – Klassengesellschaft.

 Der I. Weltkrieg und die Spaltung der Arbeiter/innenbewegung

Vortrag und Diskussion mit: Wolfgang Kruse (Fernuni Hagen, Autor von

Der Erste Weltkrieg“)

Einführung und Moderation: Bernd Gehrke (AK Geschichte sozialer

Bewegungen Ost-West)

Im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte um den Beginn des Ersten Weltkriegs steht die „Kriegsschuldfrage“. Verstärkt gibt es Versuche, die Hauptschuld des Deutschen Kaiserreichs am Ausbruch des Krieges zu relativieren. Und auf der Linken werden die Kriegsursachen vorrangig unter dem Gesichtspunkt einer aggressiven Außenpolitik Deutschlands diskutiert. Die innergesellschaftlichen Konflikte werden dabei häufig vernachlässigt. Doch steht gerade die auf die Provozierung Russlands gerichtete Kriegspolitik der deutschen Reichsregierung im Sommer 1914 im untrennbaren Zusammenhang mit dem Aufstreben der Sozialdemokratie. Taktik der „russischen Kriegsschuld“ und Politik des „Burgfriedens“ mit der Sozialdemokratie sind untrennbar.

Aber auch die Burgfriedenspolitik von (Mehrheits)Sozialdemokratie und Gewerkschaftsführungen wird von Linken selbst 100 Jahre später noch vorrangig in subjektzentrierten Kategorien wie „Verrat“ gedacht, ohne verstärkt nach wirkmächtigen soziokulturellen Mustern, sozialen Differenzierungen oder schon längerfristig gültigen ideologischen Standards wie „Nation“ und „Vaterland“ innerhalb der Arbeiter/innenbewegung Ausschau zu halten. Manchen Linken gilt sogar die von der Rechten behauptete „allgemeine Kriegsbegeisterung“ als derart selbstverständlich, dass sie darin schon die Vorwegnahme der faschistischen „Volksgemeinschaft“ sehen. Doch gab es diese überhaupt, und wenn ja, weshalb? Hatten sich durch das explosionsartige Wachstum des deutschen Kapitalismus nach 1871 nicht auch die Klassenwidersprüche verschärft?

Wir wollen in unserer Veranstaltung gerade nach solchen, häufig ausgeblendeten innergesellschaftlichen Konfliktkonstellation, nach den soziokulturellen, sozioökonomischen und politischen Widersprüchen in Deutschland fragen, die einerseits zum Ersten Weltkrieg führten, aber auch durch den Kriegsbeginn nur verschärft und zugespitzt wurden – und damit auch zur Spaltung der Arbeiter/innenbewegung führten. Dabei sollen verbreitete Stereotype aufgebrochen und gefragt werden, wo wir selbst nur Mythen aufsitzen.

Eine Veranstaltung des AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost-West, des Bildungswerks Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung und der Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte.

Realisiert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie

28. Mai 2014, Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin, Balkonzimmer, Vorderhaus, 19 Uhr:

Gesprächskreis: Frankreich nach den Europawahlen 2014

Am 22. Oktober 2012 trafen wir uns im Haus der Demokratie mit Basisaktivist_innen der Sud-Gewerkschaften, um über die Perspektiven nach der Wahl von Hollande zum Präsidenten zu diskutieren. Diesmal wollen wir Bilanz ziehen und versuchen, die grundlegenden Orientierungen innerhalb der sozialen Bewegungen und der französischen Gesellschaft herauszuarbeiten. Die soziale und politische Situation in Frankreich wird zunehmend konfliktreicher und spannungsgeladener.

Arbeitskreis Geschichte sozialer Bewegungen Ostwest / willi hajek/

2. Juni 2014, 19 Uhr, Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin, Havemannsaal

Ausreise per Antrag: Der lange Weg nach drüben

Eine Studie über Herrschaft und Alltag in der DDR-Provinz

Wir stellen das Buch von Renate Hürtgen über die Antragsteller auf Ausreise aus der DDR vor. Sie hat die Antragsteller aus dem DDR-Kreis Halberstadt untersucht, die zwischen 1974 und 1989 in der Abteilung Inneres des Rates des Kreises einen formlosen Antrag auf „ständige Ausreise“ gestellt haben. Wer waren diese Menschen, warum haben sie dies getan, wie haben die Freunde und Bekannten und wie hat die Staatsmacht reagiert? Es sind viele Mythen über die „Ausreiser“ verbreitet worden, man hat sie zu Widerständlern erhoben und zu „Verrätern“ gestempelt. Das Buch entmystifiziert und gibt neue Antworten auf die alten Fragen.

Lesung und Buchvorstellung: Renate Hürtgen. Mit Beiträgen von Anne Seeck aus Ostsicht (Kein Ort nirgends?) und Richard Herding aus Westsicht (Egoismus oder Freiheitskampf?)

Veranstalter: AK Geschichte und Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte

Veranstaltungen des AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost/West 2003-2011 (Auswahl)

1989 – 2009 – Revolution oder Konterrevolution?

Viele ehemalige DDR-Bürger, die im Herbst 1989 aktiv zum Sturz des SED-Regimes beigetragen haben, finden keinen Zugang zur allgemeinen Freude über den Mauerfall. Anstatt sich aber in die laufenden Gedenk- und Jubiläumsfeiern mit einem eigenen Standpunkt einzumischen, ignorieren sie das Ganze. Wir wollen mit unserer Veranstaltung eine Reihe von Fragen zur Diskussion stellen, die dazu beitragen könnten, sich einer wirklichen historischen Aufarbeitung zu zuwenden. Was war das für ein Prozess, der im Herbst 1989 in der DDR von „der Strasse“ ausgelöst wurde? Waren es Revolutionäre, war es eine Revolution? Nach welchen Kriterien bestimmen wir dies, um einem historischen Ereignis gerecht zu werden? War es letztlich ein historischer Fortschritt oder Rückschritt, der im Herbst in Gang gesetzt worden ist und der in der deutschen Einheit mündete?

Lip – die Fantasie an die Macht/ l’imagination au pouvoir
Filmvorführung und Diskussion

Die Beschäftigten der Uhrenfabrik Lip in der französischen Stadt Besançon hatten 1973 im Kampf um ihre Arbeitsplätze den Betrieb besetzt und die Uhrenherstellung in die eigene Hand übernommen. Sie produzierten selbstorganisiert, realisierten monatelang den Verkauf und zahlten sich selber aus. Die “ Affäre Lip“ hatte ein großes Echo in Frankreich und weltweit, sie bezeichnet weit mehr als einen Konflikt in einem Betrieb. Lip war ein Katalysator, wurde zu einer Massenbewegung und steht für neue Formen von Klassenkämpfen. „Wir machen es wie bei Lip!“ wurde zu einer Orientierung in den sozialen Kämpfen. Im letzten Jahr wurde ein Film mit den Aktivisten von Lip gedreht, der die ganze Situation wieder aufleben lässt, aber auch Schwierigkeiten und Probleme zur Sprache bringt. Wir zeigen diesen Film, geben Hintergrundinformationen und laden anschließend zur Diskussion ein. Wir wollen auch fragen, wie weit solche symbolischen Kämpfe und Erfahrungen heute noch eine Bedeutung haben können in dem alltäglichen Widerstand für eine solidarische Gesellschaftlichkeit?

Solidarität mit Prag? – Der Prager Frühling und die 68er Bewegung im Westen

In den Rückschauen auf das Jahr 1968 stehen zumeist die Erinnerungen an die Bewegung der Studierenden von Westberlin bis Paris im Mittelpunkt. Doch der Prager Frühling war ein ebenso zentrales Ereignis und hatte nicht nur für die osteuropäischen Länder eine fundamentale Bedeutung, sondern auch für die gesamte europäische Linke. Waren die Auseinandersetzungen über die „Natur der Sowjetunion“ zuvor rein theoretisch, so machte spätestens die Unterdrückung des Demokratisierungsprozesses in der Tschechoslowakei für eine junge sich politisierende Generation daraus eine unmittelbar politische Frage. Die Diskussion über „Solidarität mit Prag?“ ist so gesehen auch eine Diskussion über das Verhältnis der Linken zu den unterschiedlichsten Emanzipationsbewegungen heute. Die Referenten diskutieren nicht als alte Kämpfer aus vergangenen Zeiten, sondern als Akteure der gegenwärtigen Bewegungen mit dem Blick in die Zukunft.


1968 und die Arbeiter. Studien zum „proletarischen Mai“ in Europa

Die Revolten am Ende der 60er Jahre in Europa sind als Studentenbewegungen fest im allgemeinen Bewusstsein verankert, die demonstrierenden Studenten in Paris, Westberlin oder Rom bestimmen das Bild vom Mai 1968. Wir stellen den Mythos infrage, dass es sich dabei ausschließlich um eine Revolte von Studierenden gehandelt haben soll, informieren und diskutieren mit Autoren des gleichnamigen Buches über die Rolle von Arbeitern während der 68er Proteste in Europa. Für die Diskussion sind zwei Beiträge vorbereitet, die sich mit der spezifischen Situation der Arbeiterbewegung in verschiedenen Ländern befassen und – über die Darstellungen im Buch hinausgehend – auf mögliche Ursachen und Hintergründe dieser Unterschiede verweisen. Stärker als es in den Artikeln des Tagungsbandes geschieht, werden die Referenten auf die Folgewirkungen der Arbeiterproteste bis in unsere Gegenwart eingehen und nach einem gemeinsamen Charakter dieser unterschiedlichen Arbeiterproteste in den europäischen Ländern suchen.

Arbeiterrevolution, Bauernaufstand oder Intellektuellen-Putsch? Neuere Erkenntnisse über den sozialen Charakter der russischen Oktoberrevolution 1917

Bis 1989 in den Debatten sozialer Bewegungen bejubelt oder kritisiert ist die Oktoberrevolution in heutigen sozialen Bewegungen weithin vergessen. Angesichts neuer revolutionärer Bewegungen wie der „bolivarischen Revolution“ in Venezuela behalten alte Debatten der Linken über den bürgerlichen oder sozialistischen Charakter der bolschewistischen Machtergreifung, über Partei- oder Räteherrschaft, über Nationalisierung und Sozialisierung oder über den Aufbau des Sozialismus in einem Land jedoch auch heute noch ihre aktuelle Bedeutung.
Nach dem Untergang des sowjetischen Imperiums besteht nunmehr die Möglichkeit einer Historisierung dieses das 20. Jahrhundert prägenden Ereignisses jenseits unmittelbarer politischer Aufladungen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen Fragen nach neueren Erkenntnissen über die sozialen Bewegungen und die soziale Revolution der Jahre zwischen 1917 und 1921.

Strajk“ Die Heldin von Danzig, 2007, Regie: Volker Schlöndorff; D.: Katharina Thalbach

Die Polin Agnieszka hat es mit Fleiß und Disziplin von der Hilfsarbeiterin zur Kranführerin auf der Danziger Werft gebracht. Doch die Arbeitsbedingungen sind katastrophal und menschenverachtend. Als Agnieszka Zeugin eines tödlichen Unfalls wird, der auf mangelnden Arbeitsschutz zurückzuführen ist, gerät ihr unerschütterliches Vertrauen in die Werksleitung ins Wanken. Agnieszkas ausgeprägter Gerechtigkeitssinn ist mobilisiert und sie wird 1980 das Herz der Solidarność-Bewegung in Danzig. Anschließende Diskussion: Wie es in Polen zur Solidarność kam? Die Rezeption des Films in den polnischen Medien. Zur Entwicklung der Solidarnosc nach 1981. Gibt es eine unterschiedliche Sicht auf den Film und auf das Ereignis „Solidarność“ in Ost und West?

Stalins langer Schatten: Luciano Canforas Demokratieverständnis und die deutsche Linke“, Diskussion mit Christoph Jühnke

Die Debatte um und die Angriffe gegen das Denkmal für die Opfer des Stalinismus in Friedrichsfelde machten es sichtbar: Der diktatorisch-stalinistische Ungeist ist immer noch und sogar bei jenen vorhanden, die heute die Gesellschaft verändern wollen. Rosa würde im Grabe aufschreien, wenn sie einige ihrer jetzigen Anhänger dort entdecken würde. Aber so ist die Geschichte halt, keiner ist vor falschen Freunden sicher, vor allem dann nicht, wenn er tot ist. Dieser Ungeist ist jetzt mit Luciano Canforas Buch, „Eine kurze Geschichte der Demokratie“, und seinen eifrigen Verteidigern auf neue Weise erwacht. Mit ihrem Verständnis von Demokratie geben sie doch tatsächlich dem Stalinismus einen demokratischen Anstrich. Christoph Jünke – Historiker und politischer Journalist, im April erscheint bei VSA seine Studie zu Leben und Werk des deutsch-österreichischen Marxisten Leo Kofler – hat eine anregende Kritik an Canforas Buch geschrieben und stellt die Frage, wie es sein kann, daß ein Teil der politischen Linken in der BRD sich derart mit Canfora identifiziert.

Die „vergessene“ Seite der Revolution: Arbeiterräte und Selbstverwaltung in Polen und Ungarn 1956

Im Oktober 2006 jährt sich zum fünfzigsten Mal der Aufstand in Ungarn 1956. In Form von informativen Vorträgen, Dokumentarfilmen und Diskussionen wird in dieser Veranstaltung der Blick auf andere, in ihrer Bedeutung und Vielzahl kaum noch bekannte Tatsachen gerichtet. Zum einen soll der Zusammenhang zum Arbeiteraufstand in Posen und zur Situation in der polnischen Arbeiterschaft behandelt werden. Zum anderen wollen wir uns dem wohl einmaligen und fast völlig in Vergessenheit geratenen Ereignis in 40 Jahren sowjetischer Vorherrschaft in diesen Ländern näher zuwenden: Den Arbeiterräten und Revolutionskomitees, die sich im Herbst 1956 in allen größeren Städten und Provinzen, unter Studenten, in der Armee und in Hunderten Fabriken Ungarns bildeten. Was wollten die Aufständischen, darunter viele Jugendliche, tatsächlich? Was meinten sie mit der „Freiheit für Ungarn“? Wie organisierten sie sich und woher kam der Eindruck, daß das Szenario einem „Drehbuch“ glich, so, als wäre erst gestern die letzte Revolutionserfahrung gemacht worden? Es geht nicht darum, einen Mythos aufzubauen, sondern durch den Blick „von unten“ auf die Geschichte jene Ereignisse von territorialen und betrieblichen Selbstverwaltungsorganen in Erinnerung zu rufen und nach den Folgen dieser Bewegungen zu fragen.

1968 etwas anders: Jugendproteste, soziale Bewegung und politischer Aufbruch im Ost-West-Vergleich

Mit der „Achtundsechziger-Bewegung“ wird üblicher Weise die westdeutsche „Studentenbewegung“ assoziiert. Doch sie war sehr viel größer: Gewerkschaften und ein breites gesellschaftliches Bündnis protestierten gegen die Notstandsgesetze, die Frauenbewegung entstand, JungarbeiterInnen begehrten auf und wilde Streiks begannen sich zu entwikkeln. Vor allem aber steht „1968“ für ein weltweites Aufbe-
gehren. Auch in der DDR kam es zu einem nur wenig bekannten Aufbruch der jungen Generation.

Der 17. Juni 1953 in der DDR und die arbeiterbewegten 50er Jahre in Europa. Aufstand im Osten, Aufstand im Westen?

Keine neue Jahrestagsfeier! Wir wollen nach dem sozialen Charakter der letzten autonomen Arbeiterbewegung in der DDR fragen, nach den Akteuren, nach den Traditionen und Zielen der Aufständischen. Welche Rolle spielte der Westen
und seine Medien? Welche sozialen Auseinandersetzungen gab es zeitgleich in der Bundesrepublik, in Ost- und Westeuropa? Und gab es etwas, was sie mit den Bauarbeitern der Stalinallee verband?

Zum 15. Jahrestag der „Wende“: Demokratischer Aufbruch und soziale Bewegungen im Herbst 1989

Der Herbst 1989 wird fast ausschließlich als politischer Aufbruch oder gar nur als Mauerfall erinnert. Doch in dieser Zeit fand auch ein Entwicklungsschub verschiedener sozialer Bewegungen statt. Die Gründung des unabhängigen Frauen-
verbandes, die Entstehung verschiedener ökologischer Organisationen oder die Bildung demokratischer Interessenvertretungen in den Betrieben waren von entsprechenden Protesten und Aktionen begleitet. Die Veranstaltung will die-
se Bewegungen bekannt machen und deren Ziele auf ihre Potenz für die Gegenwart prüfen.

Die 70er Jahre und die „wilde Arbeiterbewegung“ im Westen. Im Osten Friedhofsruhe?

Die 68er Rebellion hatte auch ihre Auswirkungen in die Betriebe und auf die etablierten Betriebsrats- und Gewerkschaftsstrukturen. ArbeiterInnen bewegten sich und bildeten ihre Streikleitungen auch ohne die Dazwischenkunft der etablierten Gewerkschaften. Der Fordstreik in Köln 1973 und der Streik der Pierburger Arbeiterinnen in Neuss sind der lebendigste Ausdruck dieser „wilden Jahre“. Die Gewerkschaftsapparate reagieren mit wildem Geschrei auf die wilden Streiks und mit den Unvereinbarkeitsbeschlüssen. Und im Osten? Gab es da auch die „wilden 70er Jahre“ in den Betrieben und Anzeichen für eine Bewegung von unten?


Kaderpartei und soziale Bewegungen – eine unmögliche Beziehung?
Thomas Klein: „SEW – Die Westberliner Einheitssozialisten. Eine „ostdeutsche“ Partei als Stachel im Fleische der „Frontstadt“?

Thomas Klein hat ein Buch über die Geschichte der SEW geschrieben, über das wir mit dem Autor kritisch diskutieren wollen. Er gibt zunächst einen zusammenfassenden Überblick, in dem es sowohl um die innere Mitglieder- und Kaderstruktur der SEW als auch ihr Verhältnis zur aufkommenden außerparlamentarischen Opposition (APO) bis zu den sich daraus entwickelnden maoistischen und trotzkistischen Parteien gehen soll. Danach wird Willi Hajek auf das Zusammentreffen von Partei- und libertären Strukturen eingehen und den Bogen spannen von der damaligen Konfrontation hin zu der heutigen Situation in der Berliner Linken.

Was unterschieden SEW von APO und kommunistischen Gruppen? Wie erklärt sich das eigentümliche Verhältnis zwischen SEW und den Gewerkschaften?
• Zeigen sich heute dieselben Probleme zwischen etablierten linken Parteien und sozialen Bewegungen oder selbstorganisierten Zusammenhängen? Was ist ganz anders?

Zukunftsmodell VEB Opel? – oder Von der DDR lernen, heißt siegen lernen?

Wir suchen zurzeit verstärkt nach Alternativen zu einer auf Privateigentum beruhenden kapitalistischen Marktwirtschaft. Die aktuelle Krise lässt nicht nur linke Kritiker wieder stärker darüber nachdenken, wie eine sozialistische Wirtschaft organisiert werden müsste. Der Rückgriff auf die “guten Seiten“ der DDR-Planwirtschaft und Verstaatlichungspolitik scheinen sich dabei anzubieten. Wie viel Volkseigentum hat in den DDR-Betrieben gesteckt? Wie sah die Verstaatlichung in der Realität aus? Der kritische Rückgriff auf die DDR zeigt, dass es notwendig ist, ein Vergesellschaftungsmodell jenseits aller reaktionären Varianten zu denken und durchzusetzen. Renate Hürtgen, Autorin des Buches: Angestellt im VEB. Loyalitäten, Machtressourcen und soziale Lagen der Industrieangestellten in der DDR, hält ein Eingangsstatement zur Lage im DDR- Berieb. Anschließend stellen wir ergebnisoffen zur Diskussion:

Können aus dem Vergesellschaftungsmodell der DDR tatsächlich Anleihen entnommen werden? Finden die Opel-Arbeiter dort Lösungen für ihre Misere?
• Welches sind Schritte hin zu einer sozialistischen Gesellschaft und welche führen – nicht zuletzt in Kenntnis der DDR-Entwicklung – in die Sackgasse?

Inken Wanzek: Der Widerspruch des Gerry Gollmann … und anderer, die den Mut fanden, nicht aufzugeben …,
Buchvorstellung

Inken Wanzeks Widerstandsroman von 2008 ist Ausdruck einer intensiven gesellschaftlichen Auseinandersetzung bei Siemens gegen überraschend angekündigte Entlassungen im IT-Bereich. Der Ablauf der Geschichte und die Romanerzählung zeigen, welche emanzipativen Potentiale bei angepassten, individualisierten und konkurrierenden Angestellten freigesetzt werden können, wenn sie anfangen, sich einerseits aus der Vormundschaft von der Firma – so heißt das Unternehmen im Roman – wie von der gewerkschaftlichen Bürokratie zu lösen, sich auf der anderen Seite aber auch der Vereinnahmungsbestrebungen linker Kaderparteien widersetzen. Sie zeigt aber auch, wie sehr heute in derartigen Krisenmomenten Betriebsräte gefürchtet werden, die ihre rechtlichen und institutionellen Möglichkeiten und Freiräume nutzen, um die Selbstermächtigung der Belegschaft zu fördern und zu unterstützen. In diesem Konflikt ist das NCI-Netzwerk entstanden. Der Roman zeigt den Aufbruch von firmengläubigen und kapitalhörigen Untertanen zu selbstsicher und selbst verantwortlich werdenden, kollektiv agierenden Individuen. Eine wichtige Etappe bei der Entwicklung des Bedürfnisses nach Abschaffung der Lohnarbeit und der gesellschaftlichen Subalternität.
http://www.nci-net.de

Feiert doch Eure Revolution alleine!“

– Vom schwierigen Verhältnis der Linken zur offiziellen Vereinnahmung der Geschichte oder: Wie bekommen wir unsere Revolution wieder zurück?

Die offiziell inszenierten Feiern zum 20. Jahrestag der demokratischen Revolution in der DDR haben deutlich gemacht, dass erstmals in der deutschen Geschichte eine Revolution vom bürgerlichen Staat offiziell einvernommen und durch ihre Einreihung in den Traditions- und Legitimationsbestand des Staates geschichtlich entsorgt wird. Gerade auch deshalb haben große Teile der Linken ein gestörtes Verhältnis zu jenen historischen Ereignissen im Herbst 1989 entwickelt, die den heutigen offiziellen Inszenierungen als Vorlage dienen. Doch das Problem einer Enteignung des „Peuple“ von seinen revolutionären historische Aktivitäten und der inszenierte Verwandlung in die Legitimation bürgerlicher Macht, Herrlichkeit und Unterdrückung ist nur für die deutsche Linke neu. Noch heute wird in einigen europäischen Ländern der antifaschistische Kampf zum Legitimationsritual der Monarchien degradiert. In Frankreich diente die Revolution von 1789 lange als Begründung des Kolonialismus, und sie dient noch heute als Legitimationsbasis des etatistischen Pompes oder des Rassismus der radikalen Rechten. Wie geht die Linke in anderen europäischen Ländern heute mit diesem Dilemma um? Verleugnet auch sie demokratische Volksbewegungen, weil sich die Mächtigen ihrer bedienten und bedienen? Und auf welche Weise grenzt sich die Linke von den staatlichen Inszenierungen ab, wenn sie sich im emanzipatorischen Sinn dieser historischen Ereignisse annimmt? Verzichtet sie auf eigene Inszenierungen oder organisiert sie „Gegen-Inszenierungen“?

Mit Kolleg/innen der linken französischen Gewerkschaft SUD wollen wir diese Probleme offen und selbstkritisch diskutieren.


Wer war Lenin? – Vom schwierigen Verhältnis der Linken zu ihrer eigenen Geschichte

Buchvorstellung und Diskussion

Wer war Lenin – Putschist oder Revolutionär? Fanatiker oder Prophet? Heilsbringer oder Verbrecher? Mit diesen Fragen haben sich schon viele Lenin-Biographen beschäftigt. Je nach Geschichtsbild und weltanschaulicher Position sind sie zu sehr verschiedenen Ergebnissen gekommen.“ – So beginnt Shenja Ruge sein Vorwort zu einer Arbeit über Lenin, die sein Vater, Wolfgang Ruge, in der DDR Historiker, der zuvor Lager und Verbannung in der SU erlebte, im Rahmen einer Vorlesung nach 1989 konzipiert hat. Nach seinem Tod gibt der Sohn diese in überarbeiteter Fassung heraus und lädt zur Diskussion ein. „Wozu brauchen wir die historische Wahrheit? Wozu zerstören wir Ikonen, die wir anbeten, wozu verneigen wir uns vor den Toten, deren Andenken wir durch unsere Ignoranz und unser Vergessen beschmutzen?“ fragt Shenja Ruge am Ende seines Vorwortes und setzt die Antwort nach: „Wir tun dies – zunächst – für uns selbst.“

Der AK Geschichte lädt ein, sich der Geschichte linken Denkens und linken Handelns auf neue Weise kritisch zu stellen.

Kommender Aufstand in Europa, Dauerflaute in Deutschland?
Tiqqun, Stephan Hessel und Sarrazin als Phänomene von Krisenbewältigung

Diskussionsveranstaltung des AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost/West

Während die kapitalistische Krise in anderen Staaten Europas soziale Kämpfe und Revolten von Island bis Griechenland auslöste und uns heute zu Zeugen der demokratischen Revolution vor der Haustür Europas macht, scheint die politische Situation in Deutschland stabil. In Frankreich erreichen Texte von Tiqqun oder Stephan Hessel zu Aufstand und Revolution inzwischen eine breite Öffentlichkeit, in Deutschland wurde das rassistische Pamphlet eines Sarrazin zum Bestseller. Doch ist die gesellschaftliche Situation in Deutschland damit schon hinreichend charakterisiert? Bringen neue und alte Protestbewegungen nicht auch in Deutschland eine tiefe Krise der politischen Legitimation und Repräsentation zum Ausdruck?
Wie also steht es um die deutschen Protestbewegungen, welchen Stellenwert haben sie für die politische Stabilität des deutschen Kapitalismus? Werden sie abflachen oder sich radikalisieren? Und schließlich: Welchen Stellenwert haben die Texte von Tiqqun oder Stephan Hessel in unserem Nachbarland überhaupt?

Darüber diskutieren wir mit:

Willi Hajek (TIE Germany.org ¬– Netzwerk Europäischer BasisgewerkschafterInnen)
Roland Roth (Komitee für Grundrechte und Demokratie, erforscht als Hochschullehrer die Neuen Sozialen Bewegungen)
Lutz Schulenburg (Nautilus Verlag Hamburg, deutscher Herausgeber von „Das unsichtbare Komitee: Der kommende Aufstand“)
Moderation: Bernd Gehrke (AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost/West)


„Ich hab das Gelaber über die Mauer satt!“
Der 9. November und linke Erinnerungspolitik

Wie kein anderes Datum verbindet der 9. November höchst unterschiedliche Ereignisse der deutschen Geschichte: Die Novemberrevolution, das antisemitische Nazi-Pogrom und die Maueröffnung durch eine demokratische Massenbewegung. Die Zusammenballung dieser Ereignisse sowie ihrer unterschiedlichen Bedeutungen für gegenwärtige politische Konflikte wirft für linke Erinnerungspolitik nicht nur die Frage auf, wie dieser Ereignisse „gleichzeitig“ zu gedenken sei. Vor allem steht die Frage im Raum, ob denn und wie Linke historischer Ereignisse gedenken können, die wie der Mauerfall vom bürgerlichen Staat als dessen Siegestage inszeniert oder wie das Gedenken an die Pogromnacht als Gedenktage staatspolitisch vereinnahmt werden? Die weitgehend „verlorene Erinnerung“ an die Novemberrevolution stellt zudem eine ganz eigene Herausforderung dar, die der 9. November der heutigen Linken aufgibt. Was also sind Kriterien linker Erinnerungspolitik? Was haben wir der Vereinnahmung von historischen Ereignissen durch den bürgerlichen Staat entgegenzusetzen? Können wir uns eine eigene Gedenk- und Feierkultur schaffen?

Diskussion mit: Willi Hajek (AK Gesch. soz. Bew. Ost-West), Ralf Hoffrogge (Historiker), Olaf Klenke (marx 21), Andreaas Förster (FAU), Mod.: Bernd Gehrke

 

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